Der Zindlenspitz, ein Gipfel zum Verlieben 2097 m ü. M.

Der neckische Gipfel hoch über dem Wägitalersee steht schon lange auf meiner To Do-Liste. Spätestens seit ich ihn vom Fluebrig ennet dem See sah. Heute, am Pfingstmontag 2014, ist der perfekte Frühlingstag für die Eroberung dieses markanten Zackens: Keine nennenswerte Schneereste mehr, kein Pfingstverkehr und herrliches Wetter. Und weil sie „am Weg“ liegen, sollen Rossalpelispitz (2075) und Brünnelistock (2135) auch gleich mitgenommen werden.


Die Tour beginnt an der schmalen Seestrasse. Frühmorgens findet man noch Parkplätze, später wird es schwierig. Wer mit dem öV kommt, läuft zweimal drei Kilometer mehr. Der schmale Weg gibt dem Wanderer gleich zu verstehen: hier ist alles steil. Beim Aberli-Hof lässt sich der Zindlenspitz im wunderbaren Gegenlicht der aufgehenden Sonne blicken. Das Foto gefällt mir so gut, das es mich noch Monate später beim Aufstarten des Telefons begrüssen wird.

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Der klotzige Fluebrig mit seinen drei Gipfeln am Ende des Wägitalersees
Der Zindlenspitz im Gegenlicht der aufgehenden Sonne
Der Zindlenspitz im Gegenlicht der aufgehenden Sonne

Nach einer kurzen, flachen Erholungsstrecke im Tobeleinschnitt des Ziggenbachs erreiche ich den hübschen Aberiboden, dessen breites Bachbett ein Paradies für Kinder sein muss. Jetzt beginnt das Höhenmeterfressen richtig. Auf einer relativ kurzen Strecke müssen die fehlenden 1000 Höhenmeter zum Gipfel bewältigt werden. Anfangs schützt der Wald noch vor der Sonne, später brennt sie erbarmungslos auf mich nieder. Es wird ein sehr warmer Junitag werden, das Thermometer steigt – bei absoluter Windstille – auf deutlich über 30 Grad. Die Steilheit hat auch Vorteile, das angestrebte Ziel kommt rasch näher. Die Route führt südlich am Zindlenspitz vorbei zum Grat und damit zur Grenze von Schwyz und Glarus. Was von vorne undenkbar schien, erweist sich hier von der Rückseite als harmlos: Der letzte Teil der Erklimmung des Zindlenspitz ist unproblematisch. Erst ganz kurz vor dem Gipfelaufbau müssen die Hände einmal helfen.

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Der Blick vom Gipfel zum Wägitalersee, im Hintergrund der Zürichsee

Das Gipfelerlebnis ist fantastisch. Bequem auf einem Felsbrocken sitzend, sauge ich die verschiedenen Eindrücke auf. Der tiefblaue Wägitalersee links und der grünliche Obersee rechts. Der noch stark verschneite Glärnisch, der Zürichsee, die Weiten des Mittellands, die endlose Alpenkette. Beim Blick auf den Mutteriberg denke ich an die Skitouren im Wägital zurück, die ich als Jugendlicher im J&S Lager mit Turnlehrer Peter Heller erlebte.

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Skitourenland Mutteriberg nördlich vom Zindlenspitz

Nach einer langen Pause steige ich ab und traversiere zu den beiden nächsten Gipfeln. Der Pfad hinunter zum ersten Sattel ist etwas ausgesetzt, aber mit Ketten gut gesichert. Das gilt auch für die letzten dreissig Meter auf den Rossalpelispitz. Nach dem Austrinken der zweiten Wasserflasche wird der Brünnelistock in Angriff genommen. Diese Gratroute braucht etwas mehr Nerven, da einem die Tiefe der Ostwand ziemlich unmittelbar vorgeführt wird. Vom Brünnelistock fotografiere ich den mächtigen Glarnisch, der sich so prominent in Szene setzt.

Auf dem Gratweg zum Rossalpelispitz und Brünnelistock, rechts unten der Obersee
Auf dem Gratweg zum Rossalpelispitz und Brünnelistock, rechts unten der Obersee
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Auch der Glärnisch schwitzt in der brütenden Sonne

Zwischenfazit: Das Erlebnis auf dem Zindlenspitz war am eindrücklichsten. Vom Rossalpelispitz lässt er sich schön im Profil fotografieren. Was für ein spezieller Berg das doch ist! Stünde er in den USA, käme er in jedem Reisekatalog vor. In der Schweiz ist er nur einer von vielen 2000ern. Zurück beim Sattel zwischen Zindlenspitz und Rossalpelispitz zweige ich ab in den steilen Abstiegspfad zur Hohfläsch. Hier ergeben sich erneut eindrückliche Fotosujets dank der auffälligen Tektonik meines „Stars of the Day“.

Nochmals, weil er hier nochmals so  anders aussieht....
Wer hat wohl diese Schichten so gleichmässig aufgetragen?

Auf halber Höhe passiere ich ein Viehgatter, das die Rückkehr in die besiedelte Alplandschaft einläutet. Bald durchschreite ich üppige Blumenwiesen, ein Festschmaus für die soeben hochgetriebenen Rindli aus dem Unterland. Die freundliche Sennenfamilie auf der Alp Hohfläsch bietet mir ein grosses Glas Rivella an, das ich in einem Zug austrinke.

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Traumhafte Aussichten für die sömmernden Rinder

Etwas weiter unten liegt die bewirtete Hohfläschhütte. Natürlich kehre ich auch hier nochmals ein. Das scheint ein Insidertipp zu sein, viele Gäste scheinen für dieses Beizli gekommen zu sein. Vielleicht liegt das aber auch am heissen Wetter. Bier gibt es auf jeden Fall genug.

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Der Blick zurück von der Alp Hohfläsch zu den drei Gipfeln

Der Rest ist schnell erzählt: durch saftige Wiesen voller Kühe steige ich ab zum Auto und springe dann gleich in den kalten Wägitalersee. Schön abgekühlt fahre ich zufrieden nach Hause.

Tourdatum: 9. Juni 2014

Kartenausschnitt Zindlenspitz (pdf)

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