Der Falknis wacht über das Heidiland 2560 m ü. M.

Hoch über Sargans wacht der Falknis über das Heidiland. Fast 2000 Höhenmeter trennen seinen steinigen Gipfel von den Weiten des fruchtbaren Rheintals. Dank der Alpelibahn kann man auf der Hälfte beginnen. Eine sehr abwechslungsreiche Tour, die jedoch etwas Planung braucht.


Kurz vor neun Uhr entsteige ich dem Bus an der Talstation der Alpelibahn in Malans. Natürlich habe ich nicht daran gedacht, einen Platz in der kleinen Bahn zu reservieren: „10.45“, brummt der Bähnler, „16.30 wieder runter“. „No way“ sage ich, aber er hat kein Gehör für mich. Der Vater von drei Kindern hinter mir aber schon: „Wir haben reserviert, nehmen Sie meinen Sohn auf den Schoss, dann haben Sie Platz!“. Ich nehme das Angebot dankend an. 30 Minuten später schwebe ich mit der ehemaligen Militärtransportbahn in die Höhe. Der Junge freut sich über ein kleines Taschengeld von mir.

image
Dringend reservieren, auch wochentags!

Die meisten Berggänger hier oben machen eine abwechslungsreiche Runde durch die reizvolle, blumenreiche  Landschaft rund um den Vilan oder streben seinen Gipfel an. Die Falknis-Jäger sind in der Minderheit. Ich traversiere fast eine Stunde Richtung Norden, bis das hübsche Fläschertal erreicht wird. Was für eine Entdeckung! Hier wird der Wanderer durch eine liebliche Gebirgslandschaft begrüsst. Insbesondere die drei kleinen Seen, einer spezieller als der andere, machen den Aufstieg durch das Tälchen zu einer wahren Freude. Flora ohne Ende, auch den Murmeltieren gefällt es hier gut.

image
Kein See ist wie der andere…hier der unterste
image
Ein Herz für Berggänger…
image
Das blumenprächtige Fläschertal, in der Horizont-Mitte der Falknis

Jetzt hat man den Gipfel vor Augen. Er ist noch ziemlich weit weg. Der schmale Pfad führt zunächst zu einem Pass, der den Blick auf das weite Rheintal freigibt. Wie Ameisen krabbeln die Autos auf der Autobahn, hier oben herrscht hingegen totale Ruhe. Ein leichter Wind treibt die warme Luft aus dem tiefen Tal nach oben, auf dem Grat wirbelt er mir um die Ohren. Der Pfad wird nun wirklich steil. Ich ärgere mich, dass ich zu schnell unterwegs bin. Nach 1000 Höhenmeter sind meine Beine sauer und der Gipfel noch weit weg. Ich verfluche meine völlig unangebrachte Eile. Hätte ich doch nur die Bahn reserviert!

image
Der Blick ins Rheintal nach Sargans

Mit etwas Zähnebeissen erreiche ich den klotzigen Gipfelaufbau und freue mich über die fantastische Weitsicht. Der Gipfel bietet mehr als ich erwartet habe. Der 360-Grad Blick führt vom Toggenburg über das ganze Vorarlberg ins wilde Rätikon. Weiter östlich ragt der Piz Kesch über alles hinaus, genauso wie südlich der Calanda.

image
Der steinige Gipfelaufbau des Falknis

Mein Sandwich, etwas Traubenzucker und viel Wasser sorgen rasch für Erholung. Der obligate Power-Nap auf dem Gipfel ist heute besonders ergiebig. Eine Berggängerin macht sich sogar Sorgen. Sie meint zu ihrem Mann, er müsse den Helikopter rufen. Mein kurzes „Hallo“ rettet die Situation – ich weiss bis heute nicht, ob ich sie mehr erleichtert oder erschreckt habe. Auf jeden Fall konnte ihr Mann sein Handy wieder einpacken.

image
Was für ein schöner Picknickplatz!  Unten die Seelein des Fläschertals
image
Der Falknis liegt auf der Grenze zu Liechtenstein, im Hintergrund die Malbuner Berge

Der Rückweg führt wieder zurück in das hübsche Wandergebiet rund um den Vilan. Diesmal wähle ich die etwas längere Variante, um möglichst lange auf der Rätikon-Seite bleiben zu können. Diese Kalkwände sind zwar keine Shooting-Stars – aber eindrücklich sind sie allemal. Der Weg ist auch deshalb spannend, weil er durch sumpfiges Gebiet führt. Nicht wegen der nassen Füsse, die das gibt, sondern wegen der auffälligen, hochmoortypischen Flora. Ein echtes Genusswandern! Ich verstehe jetzt, warum so viele ältere Jahrgänge hier herumwalzen.

image
Moorzauber am Fuss des Vilans

Zurück bei der Alpelibahn (14.30) geht dasselbe Prozedere wie morgens los – „Kann ich früher runter als um 16.30?“ Wieder habe ich Glück, schon bei der zweiten Fahrt bleibt ein reserviertes Plätzchen frei…der geschätzte Vorteil des Solo-Wanderns. However, das Beizli dort oben wäre durchaus nett genug, um ein Warten zu überbrücken. Mit dem erst halbverzehrten Nussgipfel in der Hand lasse ich mich ins Heidiland zurückgondeln. Der Bus nach Landquart steht bereit, ich erwische gerade noch den Zug nach Pontresina, der mich pünktlich zum Znacht mit der Familie in den Kronenhof bringt.

Tourdatum: 25. Juli 2014

Kartenausschnitt Falknis

3 Kommentare

Schreibe einen Kommentar