Zum Quellwasser der Linth: Planurahütte 2947 m ü. M.

Der Zigerschlitz wird beim Tierfed nach Linthal immer schmaler. Die Linthzuflüsse zwängen sich durch enge Schluchten. Weiter hinten öffnet sich das Tal wieder beim „Hinter Sand“, das vor einigen Jahren durch einen gewaltigen Bergsturz komplett neu formiert wurde. Dort beginnt das Reich des mächtigen Tödi.


Rechts gehts steil hoch zur prächtigen Hochebene „Ober Sand“. Von hier aus gelangt der Berggänger schliesslich in eine gigantische Gletscherwelt. Bis zum Quellwasser der Linth werden alle Klima- und Vegetationszonen durchwandert. Auf einen Gipfel wird auf dieser Tour verzichtet, das Panorama der Planurahütte (SAC) reicht vollkommen als höchster Punkt eines perfekten Tags.

Das Wandertaxi fährt bis zum Hinter Sand, wo ein Bergsturz ein neuer See geschaffen hat
Das Wandertaxi fährt bis zum Hinter Sand, wo ein Bergsturz einen neuen See geschaffen hat

„Ich bi d‘ Rosmarie“, begrüsst mich die burschikose Fahrerin des Wandertaxis in Linthal. Ich bin der einzige Fahrgast an diesem Donnerstag. Ich bin spät dran, da mein Sohn zuerst noch „schulfertig“ gemacht werden musste und Simone in Paris ist. Rosmarie führt ihren Kleinbus geschickt um die engen Kurven und Abgründe und setzt mich um 9.45 in Hinter Sand (1300m ü M.) ab. „Ich fahr um 16.00 Uhr letztmals runter“, sagt sie, „um 18.00 kann ich heute nicht, ich muss heuen“. Hoppla, denke ich, das wird knapp.

Etwas (zu) zügig nehme ich die steile Rampe zum Ober Sand unter die Füsse. Weiter oben wird der schmale Pfad aufwändig ausgebaut. Ich frage einen Arbeiter, wofür das gut sei. Der Weg sei für die Kühe zu steil geworden, erklärt er mir. Schon knattert ein Helikoper herbei, der eine schwere Planiermaschine hochbringt. Etwas nachdenklich steige ich weiter, probiere mich aber darüber zu freuen, dass wir uns so etwas leisten können. Aber vielleicht zahlt es der Bauer ja selber aus seinen üppigen Wasserzinsen.

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Das Ober Sand – ein lohnendes Tagesziel für sich alleine

Als ich die Kante zum Ober Sand überschreite, bleibe ich fasziniert stehen: was für ein unglaublich schönes Hochtal! Ein Bach, der sich weiter oben tief durch Felsformationen pflügt und dann durch die flache Ebene mäandert; Blumenwiesen, so weit das Auge reicht; hoch oben das Claridenfirn, dessen Ausläufer über die Felskanten herauskragen; Wasserfälle überall – und hie und da einer jener Kühe, die offensichtlich mit Muskelschwund zu kämpfen haben. Fasziniert folge ich dem Wasserlauf und bin dankbar, dass ich in so einem schönen Land leben und wandern darf.

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Die Kraft des Wassers schafft schöne Wege durch den Fels

Nach der halbstündigen Muse im Flachen beginnt das Gelände wieder steiler zu werden. Und dann noch steiler. Aus Grass wird Schutt und später Geröll. Ich beginne für mein viel zu hohes Tempo zu büssen. Das ungewohnte, selbstverschuldete Leiden auf den letzten paar Hundert Höhenmetern zur Planurahütte ärgert mich. Dabei ist der Routenverlauf spannend, für die letzten 30 Minuten verschwinden die Stöcke im Rucksack, die Hände werden gebraucht um grosse Steinbrocken und kleine Felsstufen zu überwinden. Die letzten Meter vor dem Grat sind etwas ausgesetzt, könnten aber auch grossräumig über den Gletscher umgangen werden, was ich für den Abstieg auch zu tun gedenke.

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Der Tödi dominiert die Tour von A bis Z

Nun kommt der grosse Moment – das Gelände öffnet sich und ich stehe am Rand dieser gewaltigen Pfanne, die vom Hüfigletscher und seinen Nebenarmen gefüllt wird. Mindestens 30 Meter reichen die Gletscherformationen vor mir hoch. Dahinter ragen das Schärhorn, der Clariden und weiter unten der Gross Düssi empor. Ich kann kaum aufhören zu fotografieren, die übersäuerten Beine sind vergessen.

Der schwarze Punkt ist ein Helikopter - wer sieht ihn?
Der schwarze Punkt ist ein Helikopter – wer sieht ihn?
Viel gefrorenes Wasser zwischen Planurahütte und Schärhorn
Viel gefrorenes Wasser zwischen Planurahütte und Schärhorn

Auf der sonnenüberfluteten Steinterrasse der Planurahütte gibt es eine feine Suppe, dazu eine Plauderei mit einer kleiner Gruppe betagter Herren, die sich einen Heliflug zum Lunch hierhin geleistet hat. Ich kann es ihnen nicht verargen. Nach 30 Minuten stehe ich auf,  ich will das Wandertaxi erwischen. Noch schnell wird ein kräftiger Kafi Lutz hinuntergestürzt, dann verabschiede ich mich.

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Zügig steige ich ab und gewinne Zeit mit Firn- und Schuttsurfen. So kann ich auf halber Strecke nochmals 15 Minuten pausieren, um ehrfürchtig die Tödiwand zu bewundern. Ein paar hübsche Edelweiss leisten mir dabei Gesellschaft. Auch der sich in die Felsen eingefressene Bach muss nochmals intensiv betrachtet werden. Danach gebe ich Vollgas und speede die planierte Kuh-Autobahn hinunter. Um fünf vor vier stehe ich schweissüberströmt vor Rosemarie. Uff – ich komme wieder – mit mehr Zeit.

Der Blick zurück in den hinteren Teil des Ober Sands
Der Blick zurück in den hinteren Teil des Ober Sand

Kartenausschnitt Planura (pdf)

Tourdatum: 28. August 2014

2 Kommentare

  1. bin dieses jahr 2mal auf der planurahütte gewesen,einmal von tierfed im juli und einmal mitte september zum saisonschluss von linthal.ist eine echte herausforderung.thomas granwehr zuzwil sg

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