Die Schmadri­bach­fälle und der Ober­steinberg 1778m ü. M.

Das Hintere Lauterbrunnental ist für viele Wanderungen gut. Heute machen wir „nur“ eine Nachmittagstour in diesem wildromantischen Naturschutzgebiet. Erleben wollen wir die Schmadribachfälle und die Tschingellütschine. Die Wasser dazu kommen aus der reichen Gletscherwelt des Breithorns und seiner Freunde, die sich allerdings schon bald hinter Wolken verstecken. Der Zvieri ist auf der Terrasse des Berghotels Obersteinberg geplant.


Garagist Gärtsch in seinem öligen Overall holt uns um halb Zwei am Bahnhof Lauterbrunnen ab. Dėja-vu. Sein Wandertaxi bringt uns nach Trachsellauenen, das erst seit rund 25 Jahren von einem Fahrsträsschen erschlossen wird. So beginnt unsere Wanderung kräftesparend gleich inmitten der Pracht des Hinteren Lauterbrunnentals. Robin erzählte mir, dass Tolkien sich hier für seine „Herr der Ringe“-Trilogie hat inspirieren lassen. Er hätte keinen besseren Ort finden können.

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Das Lauterbrunnental von Stechelberg gesehen, wo das Hintere Tal beginnt. Links oben liegt Mürren

Neben uns rauscht die Lütschine, gut gefüllt vom Regen der letzten Tage. Der Weg taucht gleich in das Bergsturzgebiet ein, das rasch auf die nächste Talstufe führt. Es riecht nach Moos, der Farn zwischen den felsumrandeten Bäumen steht hoch. Schon wenig später erreichen wir Schürboden, der den Blick auf das Breithorn und den imposanten Schmadribachfall freigibt.

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Wir freuen uns über die wunderschönen Berner Oberländer Scheunen am Weg und überqueren den wilden Bach. Dann steigen wir zügig hoch und erreichen bald das Tälchen, das uns in das Herrschaftsgebiet der Schmadribachfälle führt. Es kommen nun rasch Wolken auf, die eine bessere Fotoqualität verhindern, aber diese Stelle gehört für mich zum Eindrücklichsten, was das Berner Oberland zu bieten hat. Der Schmadribachfall und seine Umgebung sind eine perfekte Komposition, die kein Landschaftsarchitekt besser entwerfen könnte.

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Wasser von allen Seiten – die Schmadrifälle und ihr Delta

Wir geniessen, fotografieren, lauschen und staunen. Dann geht’s weiter, der Magen knurrt. Weit oben auf der anderen Talseite sehen wir unser Zvieri-Ziel. Wir steigen etwas ab und überqueren die Lütschine wieder, die sich an dieser Stelle eine kaum drei Meter breite, unendlich tiefe Schlucht durch den Kalkstein gefressen hat. Die Wasser tosen, es schaudert mich beim Gedanken, was passieren würde, wenn man in diese Waschmaschine geraten würde…

Noch eine halbe Stunde steigen wir steil durch offenen Wald und Blumenwiesen hoch bis wir das Berghotel Obersteinberg erreichen. Beim Abwischen des reichlich geflossenen Schweisses erinnere ich mich schmunzelnd daran, vor 13 Jahren rund 25 Freunde und Familienmitglieder zu einem Geburtstagfest hier hoch gelotst zu haben.

Da die Sicht über 2500m nun ganz weg ist, wenden wir uns gleich der Bernerin mit ihren tiefblauen Augen zu, die uns die Optionen unseres Zvieris aufzählt. Aprikosenkuchen soll es werden – mit einem Liter Nidle versüsst. Als Kind war der Konsum hier oben stark begleiterabhängig. Mit Bea gab’s ein teures, maultiertransportiertes Elmer Citro, mit Hans die selbstgefüllte Feldflasche…aber schön war es mit beiden.

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Das Berghotel Obersteinberg bietet beste Aussicht auf die Wasserfälle…
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… und auf die Berge bei gutem Wetter (Foto Sommer 2013)

Für den Abstieg wählen wir die Direttissima und sind knapp 1.5 Stunden später in Stechelberg. Nach einem Bier spazieren wir zur Schilthornbahn und lassen uns nach Mürren hochgondeln.

Im Hotel Edelweiss werden wir herzlich begrüsst. Wir freuen uns über das nette Ambiente und sind überrascht vom guten Preis-/Leistungsverhältnis. Well done Herr und Frau Kuster! Soll keiner mehr sagen, in der Schweiz ginge das nicht! Bei einer deftigen Rösti und mit einem guten Glas Wein lassen wir es uns gut gehen und stimmen uns auf den nächsten Tag ein.

Tourdatum: 20. August 2015

Kartenausschnitt Schmadribachfälle (pdf)

Interaktiver Kartenausschnitt

 

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