Eine Runde um den Mürtschen­stock 1840m ü M.

Nach dem kürzlichen Hochtour-Spektakel in der Jungfrauregion ist die Wahl der nächsten Tour nicht einfach. Mir helfen jeweils „Multi-B-Touren“ um wieder auf den Boden zu kommen. „B“ wie Bäche, Blumen, Beizli, Bähnli, Bäume, Bergseen, Braunvieh… Eine reizvolle Variante dieser Art bietet die Umrundung des Mürtschenstocks von Filzbach nach Obstalden am Walensee.


Kurz nach Neun schwinge ich mich auf ein Sesseli der etwas in die Jahre gekommenen Bahn, die von Filzbach auf die Habergschwänd führt. Die Bergstation entspricht dem heute so häufig anzutreffenden Plausch-Mix von Beizli, Spielplatz und Trotti-Station. Sogar eine Mini-Lounge lockt zu einem frühen Alp-Chillen.

Der Wanderweg führt zunächst durch offenen Wald und über ein Fahrsträsschen hinunter in das Hinter Tal an den hübschen Talalpsee. An sonnigen Herbstweekends tummeln sich hier Dutzende Familien, an diesem Mittwoch bin ich trotz der Sommerferien fast alleine. Nur ein paar Jugendliche schälen sich gerade aus ihrem kleinen Zelt am Wasser. Der See liegt noch im Schatten, die Oberfläche ist komplett still. Die umliegenden Berge spiegeln sich messerscharf im Wasser, ein schönes Bild.

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Ein Spiegel, der glatter nicht sein könnte…

Der Kiesweg führt entlang dem See und dann leicht ansteigend ins Tal hinein. Eine gewaltige Rampe namens „Schlüchen“, wohl durch einen Bergsturz entstanden, bereitet dem gemütlichen Wandern ein abruptes Ende. Am Fuss der noch schattenspendenden Wände des Mürtschenstocks schlingelt sich der nun schmale Pfad 400m hoch. Etwas neidisch schaue ich auf das Heubähnli, das sanft über die Baumwipfel schwebend den Hang hinuntergleitet, während ich mir die Schweisstropfen von der Stirn wische.

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Oben angekommen werde ich belohnt mit dem schönen Blick auf die nächste Talstufe und den Spaneggsee. Das Seelein liegt ebenso friedlich wie der Talalpsee abflusslos in seiner Senke, der Wasserstand ist ziemlich tief. Um mich herum lichtet sich der Wald, Blöcke und wettergestählte Bäume mit skurrilen Formen prägen jetzt das breiter werdende Tal. Der hübsche Fronalpstock zwinkert mir zu und will mich wohl dazu verführen, meinen Routenplan zu ändern. Nur die Aussicht auf den späteren Rast im schönen Hüttenberg-Beizli, von einem Bergfreund wärmstens empfohlen, hält mich davon ab.

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Fast hätte er mich vom Weg abgebracht, der nette Fronalpstock

Die Route steigt nur sanft weiter, um Blöcke zirkelnd erreiche ich den Mürtschenfurggel, wo mich eine ganze Sippschaft Kuhmütter mit ihren Kälbern empfängt. Ich möchte die kleinen Dinger gerne aus der Nähe fotografieren, aber die Erfahrung hat mich gelehrt, dass mit diesen Mammas nicht zu spassen ist. Also schau ich dem friedvollen Familienglück mit respektvollem Abstand zu und verzehre dabei mein Thonbrötli.

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Nach dem Mürtschenfurggel kommt das reizvolle Mürtschental

Der Übergang ins Mürtschental kommt einem freudigen Wiedersehen gleich. Wie oft bin ich schon durch dieses abwechslungsreiche, bergsturzgeprägte Tal zum Murgseefurggel und dem Schwarzstöckli aufgestiegen! Diesmal bleibe ich allerdings oben auf den Flanken des Mürtschenstocks hoch über dem Talboden. Zunächst leicht absteigend, dann wieder steigend erreiche ich den Bärenbodenkamm, der einen faszinierenden Einblick in das felsige Innenleben des Mürtschenmassivs gewährt, das sich allerdings schon in Wolken zu hüllen beginnt. Vor mir erstreckt sich der türkisblaue Walensee, auf halber Höhe meine ich die ersehnte Beiz auf den Weiden des Hüttenbergs entdeckt zu haben.

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Wolkenspiele am Mürtschenstock
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Die friedliche Alp Meerenboden
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Das kühlende „B“ dieser Tour

Auf der Alp Meerenboden kommt die Zivilisation zurück, ein Kiessträsschen führt nun steil hinunter. Die etwas zu langen Zehennägel in meinen Bergschuhen beginnen zu reklamieren. Schwülheiss ist es auch geworden, und so wird die Querung des sprudelndes Meerenbachs – unter der kritischen Beobachtung ein paar Rinder – für ein Vollbad genutzt. Herrlich!

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Will es auch baden?

Erfrischt weiter wandernd freue ich mich nun auf die Beiz, die sich als äusserst hübsch und einladend präsentiert. Nur das sonnengebleichte Holzschild an der Türe gefällt mir nicht: „Dienstag/Mittwoch/Donnerstag Ruhetag“. Ich seufze tief und beklage das Pech. Dann rede ich meinen Zehen gut zu, verspreche ihnen baldige Befreiung von den Schuhen und steige die letzten 300 Höhenmeter über Wiesen nach Obstalden ab. Trost bietet die äusserst liebenswürdige tamilische Frau, die mir im „Sternen“ ein grosses Schorle und einen feinen Salat serviert. Danach bringt mich der Bus zurück nach Filzbach.

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Schön wärs ja gewesen…
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Obstalden liegt 300m über dem Walensee, gegenüber der Mattstock und Amden

Kartenausschnitt Mürtschenstock (pdf)

Interaktiver Kartenausschnitt

 

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