Die Gummfluh und die Gstaader Dolomiten 2458m ü. M.

Jan Lukas (12) will auf die Gummfluh. Mit ihr hat er noch eine Rechnung offen, mussten wir doch vor ein paar Jahren umkehren. Zu steil, zu ausgesetzt, zu kalt, das ist seine Erinnerung. Die Gummfluh ist das Wahrzeichen des Saanenlandes. Der markante Zahn vermittelt zusammen mit seinen umliegenden Nachbarn ein tolles Dolomitenfeeling. Die zerfurchten Kalkformationen bieten viel Kraxelspass und grandiose Sicht auf die Berner Oberländer Alpenkette.


Der Föhn überrascht uns in Lauenen mit einem stahlblauen Himmel, damit hatten wir heute nicht gerechnet. So fahren wir erwartungsvoll von Gstaad über das schmale Fahrsträsschen durch das Meielsgrund zur Gummalp auf fast 1800m. Die Alp ist schon verlassen, die Fensterläden der Häuser verriegelt, der Bauer räumt gerade seine letzten Siebensachen aus dem Stall. Ein kurzer Schwatz, ein Wunsch zum guten Gelingen, dann laufen wir los.

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Blick von der Gummalp zum Gummfluh-Massiv. Der Gipfel ist ganz links

Wir folgen zunächst dem Weg zum Col de Jable, kürzen dann aber off-road ab. Wir steigen über reich mit Silberdisteln bestückte Wiesen hoch zum Pfad, der entlang der Südflanke der Gummfluh sanft steigend zum Trittlisattel führt. Dort angekommen verlassen wir den Wanderweg und zweigen ab auf einem unscheinbaren Weg, der dem Grat entlang nach oben führt. Die Route ist weder markiert noch beschildert, die Wegführung aber dank Pfadspuren und Steinmännli immer gut erkennbar.

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Dolomitenfeeling am Trittlisattel…
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Der Wanderweg führt durch Felsspalten

Der blockige Grat bietet eine gute Sicht auf die senkrechten Wände der Pointes de Sur Combe, gleichzeitig aber auch auf „die Hand Gottes“ – das Saanenland mit seinen fünf Tälern. Jan Lukas läuft zügig voraus – wie lange mag ich ihm wohl noch nachkommen? Der Trampelpfad wird immer steiler, mein Puls schlägt höher als mir lieb ist. Auf 2250m flacht die Route etwas ab, wir traversieren nun unterhalb der Felsen, holen wieder etwas Luft und pausieren dort, wo beim letzten Versuch Schluss war.

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Gratimpressionen und der Blick in die „Hand Gottes“
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Heute kehren wir nicht mehr um! Links die Traverse unter den Felsen

Von jetzt an muss das Gras zunehmend dem Schutt Platz machen, auf dem Pfad sind Trittsicherheit und Balance gefragt. Wir erreichen den Fuss der Gummfluh-Südwand und erkunden die Routenführung zum schmalen Band, das den Durchstieg auf den Gipfelgrat ermöglicht (siehe Foto). Da der Fels so wunderbar griffig ist, schlage ich vor, eine direktere Kraxelroute zu nehmen. Das brauche ich dem jungen Gipfelstürmer nur einmal zu sagen….

Gummfluh-Route
Die Route auf den Grat. Hinauf kraxeln wir rechts der Mitte über die Felsen hoch

Die Schlüsselstelle ist weniger ausgesetzt, als ich befürchtet hatte. So erklimmen wir zügig die anspruchsvollste Passage der Tour zum Gipfelgrat. Von hier aus sind es dann keine zehn Minuten mehr über mässig steiles Schrofengelände zum Gipfel. Jan Lukas kann es kaum erwarten das Gipfelkreuz zu erreichen und rennt förmlich hinauf.

Die Gummfluh bietet eine grandiose Aussicht auf das Saanenland und auf die Berner Oberländer Alpenkette vom Wetterhorn im Osten bis zu den Diablerets im Westen. Dahinter zeigt sich der Mont Blanc, aber auch eine ganze Reihe Walliser Viertausender. Auch den Genfersee und die Jurahöhen sehen wir – Föhn sei dank – bestechend scharf. Letzterer zwingt uns aber auch, auf der Nordseite ein windgeschütztes Plätzchen einzunehmen, wo Jan Lukas sich gleich an die Produktion unserer „Blevita mit Le Parfait“-Sandwiches macht.

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He did it
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Das Gummfluh-Massiv und die Berner Oberländer Gipfelparade
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Gipfelimpressionen und der Blick zum fernen Genfersee

Der Abstieg über denselben Weg fordert an der Schlüsselstelle nochmals grösste Aufmerksamkeit. Nach getaner Arbeit produzieren wir ein Selfie, dann machen wir uns an die Planung des Resttages. Wir möchten mehr Dolomiten-Feeling und beschliessen später noch über die Via ferrata auf das Rüeblihorn (Le Rubli) zu steigen. Wir überzeugen Yael und Pauli telefonisch, ihre Klettersteigsets einzupacken und treffen uns um halb Zwei zum zweiten Abenteuer des Tages. Wie das geht, steht in einem älteren Blogbeitrag schon beschrieben.

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Die etwas ausgesetzte Schlüsselstelle (II) am Fuss der Gipfelwand

Für Jan Lukas blieb die Gummfluh das Highlight das Tages, und sein Vater ist mächtig stolz auf ihn.

Tourdatum: 12. September 2015

Kartenausschnitt Gummfluh (pdf)

Interaktiver Kartenausschnitt

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Drei Stunden später: Der Blick vom Le Rubli (Rüeblihorn) zur Gummfluh

5 Kommentare

  1. Leider habe ich deinen Bericht erst nach meinem „Besteigungsversuch“ der Gummfluh gelesen…Toll beschrieben, wunderbare Bilder und die Schlüsselstelle (wäre sooo nahe gewesen…) hat mich zur Umkehr bewogen. Das nächste Mal packe ich es!
    Diese Fluh will ganz offensichtlich umworben und erobert werden. Mit lieben Grüssen aus dem Berner Oberland, Isa

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