Über Amselspitz und Furggelenstock 1491m ü. M./1656m ü. M.

Keine Tour eignet sich besser um das Herrschaftsgebiet des Klosters Einsiedeln von oben zu erkunden.  Die heutige Wanderung führt vom Klosterplatz zum Amselspitz – hoch über dem Sihlsee – und folgt dem hochmoorigen Gratrücken zum Furggelenstock bis an den Fuss des Grossen Mythen. Ab Holzegg kann sich der ermüdete Wanderer das Bähnchen hinunter nach Brunni gönnen um seine Knie zu schonen.

Neun Uhr morgens ist es noch ruhig in Einsiedeln. Der Parkplatz vor dem Kloster ist leer und die Devotionalien in den Souvenirgeschäften warten geduldig auf ihre Käufer. Der Weg führt an die Klostergärten vorbei und steigt dann rasch an. Ein informativer Baumlehrpfad schafft Kurzweile im Aufstieg über den breiten Waldweg. Auf der erste Anhöhe überblicke ich das vom Kloster dominierte Dorf. Einzig die Sprungschanzenanlage vermag vom übermächtigen Sakralbau abzulenken.

image
Das Kloster beherrscht Einsiedeln (noch)

Auf dem Scheitel des Friherrenbergs wird der Weg schmal und abwechslungsreich. Ich freue mich über den blauen Sihlsee und die noch weisse Fluebrig, bald auch über die eindrückliche Nordwand des Druesbergs. Der Weg führt nun wieder leicht hinunter, eine Eigenschaft dieser Tour, die mich den ganzen Tag begleiten wird: ein stetes Auf und Ab. Auf dem Chli Amslen wird ein erstes Highlight erreicht. Im Süden begrüssen mich der Amselspitz und die Mythen, im Talboden nördlich breitet sich der Sihlsee aus, etwas weiter weg schimmern die drei grossen Zürcher Seen.

image
Der Blick hinunter von Chli Amslen
image
Amselspitz und Mythen von Chli Amslen aus gesehen

Am Fuss des Amselspitz betrete ich das Naturschutzgebiet Ibergeregg, das ich nun  bis zum Ende der Tour nicht mehr verlassen werde. Prompt wird der Weg von umgefallenen Bäumen gesäumt – ist das Naturschutz oder Saisonanfang? Wohl eher das Letztere, denn auch zahlreiche Wegweiser zeugen noch von winterlichen Gewalteinwirkungen. Das wird in zwei, drei Wochen korrigiert sein.

Der Amselspitz begrüsst mich mit einer netten Holzbank, verwehrt mir aber aufgrund der Bäume den Blick nach Norden. Aber die Aufmerksamkeit richtet sich eh auf den Süden, wo sich jetzt der ganze Alpenkranz zeigt. Ich esse ein Sandwich und freue mich, endlich auf diesem Gipfelchen zu sitzen. Er stand auf meiner ToDo-Liste seit ich vor Jahren das erste Amselspitz-Joghurt gegessen hatte, das Simone mit nach Hause gebracht hatte. Im genüsslichen Abwärtsgang wandere ich weiter zur Stockhütte, das Gelände erinnert inzwischen an OL-Gelände in Skandinavien.

image
Dieser Baum hat sich wohl eine zu exponierte Stelle ausgesucht

Der etwas waldige (und langweilige) Anstieg zum Gschwändstock bringt dann die ersten Schneepassagen. Nach einem steilen, glitschigen Abstieg folgt wieder eine sehenswerte Passage durch offenes Hochmoorgebiet mit viel Blumen und schöner Sicht auf die Skigebiete von Oberiberg und Hoch Ybrig, die ihrerseits noch im tiefsten Winter zu verweilen scheinen. Nur die Wegfindung ist nicht einfach, wer aber einfach immer wieder die Grathöhe sucht, findet auch den Pfad.

image
Moorsteg oder Vitaparcours?
image
Hochmoorland, rechts hinten der Furggelenstock

Bei Furggelen erreiche ich die Hütte, die von den Skitourenfahren immer so schön besungen wird, sie ist aber natürlich längst dicht. Ich nehme nun die letzte Steigung unter die Füsse und erreiche wenig später, durch Schnee watend, den höchsten Punktes des Tages, den Furggelenstock. Ein begnadeter Hobbyfotograf hat sich hier verwirklicht und schön beschriftete Panoramaphotos installiert, die ich gerne studiere, um meine Geographiekenntnisse aufzufrischen.

image
Der Furggelenstock bietet viel – wenn das Wetter mitmacht

Das letzte Teilstück der Tour ist Genuss pur. Über breite Wiesen und durch Blumenmeere surfend, gelange ich schliesslich in das Ski- und Wandergebiet Ibergeregg mit seinen breiten, gepflegten Wegen. Die Müsliegg-Beiz ladet zu Kaffee und Kuchen, aber ich entscheide mich, vorerst weiter zur Holzegg zu laufen. Jetzt bin ich auch nicht mehr alleine, die Aussicht auf die Innerschweizer Alpen und den Vierwaldstättersee locken viele Soft-Wanderer an. Dank des Rotenfluh-Bähnchens von Schwyz und dem Parkplatz auf der Ibergeregg ist das Gebiet einfach zu erreichen.

image
Bald grün…noch etwas braun: Die Wiesen über der Müsliegg (Bildmitte)
image
Der Blick nach Brunnen und zum Vierwaldstättersee
image
Am Ziel. Die Holzegg am Fuss des Grossen Mythen

Die Wirtin auf der Holzegg stärkt mich mit Schorle und Nussgipfel, dann hüpfe ich in das kleine Luftseilbähnchen nach Brunni, von dem sich meine müden Beine gerne hinuntertragen lassen.

Tourdatum: 18. Mai 2016

Kartenausschnitt Amselspitz (pdf)

Interaktiver Kartenausschnitt

3 Kommentare

  1. lieber edwin, wie immer ist es eine reine freude, deine berichte und die grossartigen fotos zu geniessen! Wir werden mit sicherheit einiges davon nachwandern…
    herzlich dankt und grüsst…….ursula

Schreibe einen Kommentar