Die Dusche in der Fürenwand 1844m. ü. M.

Lea will klettern – nur klettern, wandern ist für die 18jährige derzeit höchst uncool. Also wieder ein Klettersteig. Und dann muss es noch super ausgesetzt und schwierig sein. Ich werde fündig in Engelberg, wo die Fürenwand so ziemlich alles bietet, was der jungen Dame gefällt.

Wir parkieren an der Talstation der kleinen Fürenalpbahn. Noch auf dem Parkplatz werden die Klettergurte angezogen und die Klettersteigsets montiert. Nur gerade 15 Minuten zu Fuss sind wir vom Einstieg in die mächtige Wand entfernt, die sich da vor uns aufbaut. 750Hm sind zu bewältigen, davon 550 in der fast senkrechten Wand.

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Die Fürenwand von unten gesehen. Eine nasse Sache heute

Ich zögere etwas, da die Spuren des Regens vom Vortag noch überall sicht- und hörbar sind. Die Bäche sind voll und die Wand klatschnass. Doch bald erreichen wir die ersten Stahlseile, klinken uns ein, und es gibt kein Zurück mehr.

Unzählige T-Stifte und die ersten 80 senkrechten Meter begrüssen uns. Die Tritte sind nass, der Fels kalt. Aber was soll’s, Lea steigt vor und ich muss Gas geben, um an ihr dran zu bleiben. Der erste Teil des Klettersteigs kennt nur wenige Querpassagen und kaum bequeme Ausweichstellen, um Pausen einzulegen. Die Tritte liegen stellenweise weit auseinander, genügend lange Arme sind ein Vorteil, stellenweise sogar unabdingbar. Oder wurde die Route etwa vorsätzlich so anspruchsvoll angelegt, um die vielen asiatischen Touristen in Engelberg von diesem Abenteuer fernzuhalten?

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Es kann losgehen…
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Die Treppe verlässt den überhängenden Teil
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Was Jan Lukas kann, kann Lea auch… („Pogba Dab“)

Nach einem längeren, mitunter überhängenden Teilstück, wo ich Lea kurz aus den Augen verliere, erreichen wir den grasigen, teils bewaldeten Mittelteil der Flüe. Das gemächliche Weitersteigen senkt den Adrenalinspiegel,  wir erholen uns gut. Ein paar langsamere Mitkletterer können elegant überholt werden. Ein hübsches, an Stahlseilen hängendes Bänkli lädt zwar zum Chillen, ist aber schon besetzt.

Jetzt erreichen wir den Notausstieg der Klettersteigs, der rechts von der Wand wegführt, links beginnt der zweite Teil der Kletterei. Mit grossen Augen konstatiere ich, dass das Vertikalstück nach der ersten Querung genau dort hoch führt, wo sich ein Spontanwasserfall den Weg in die Tiefe sucht. Es kommt mir in den Sinn, dass ich heute ausnahmsweise keine Ersatzwäsche im Rucksack habe… Aber was soll’s, es ist Sommer! Wir steigen ein, und nehmen wenig später in stoischer Ruhe zur Kenntnis, wie sich jede einzelne Faser unserer Kleidung mit Wasser vollsaugt.

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Blick aus der Wand nach Engelberg

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Nach dieser Dusche folgen noch einige weitere, sehr ausgesetzte Querungen. Beim Luft holen auf einer flächeren Platte geniessen wir kurz den schönen Blick auf die imposante Ostwand des Titlis, die sich auf der gegenüberliegenden Talseite präsentiert. Wenig später erwartet uns eine lange Sprossenleiter, die freischwingend, sicher 2 Meter von der Wand entfernt, zu einem luftigen, kräfteraubenden Hochsteigen einlädt. Erprobte Segelschiffmatrosen sind hier im Vorteil.

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Das ist dann aber auch schon das Ende des spektakulären Trips durch die Fürenwand. Es folgt eine zehnminütige Genusswanderung durch Blumenwiesen, die kontrastreicher zum gerade Erlebten nicht sein könnte. Sie endet bei den Kühen, die vor der Fürenalpbeiz grasen, wo wir uns erschöpft aber zufrieden niederlassen.

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Friedliches Auslaufen mit Spannort-Blick
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Die eindrückliche Titliswand ist der stetige Begleiter

Sehr schön – und wenn die nassen Kleider nicht gewesen wären, würden wir wohl jetzt noch dort sitzen. So hüpfen wir aber nach dem Zmittag schnell in die kleine Bahn und bestaunen die erklommene Wand nochmals aus der talwärtssausenden Gondel.

Tourdatum: 19. August 2016 (wiederholt am 30. August 2017, bei Trockenheit und strahlender Sonne)

Kartenausschnitt-fuerenwand-pdf

Website: http://www.fuerenalp.ch/klettersteig

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Von der Bahn aus gesehen glaubt man kaum, dass man hier durchkommt…gut sichtbar das grasige Mittelstück
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Die Fürenwand und die Fürenalp vom Gipfel des Grassen aus gesehen (12.9.16)
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Nass und zufrieden nach Hause

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