Dent de Savigny über die Südflanke 2252m ü. M.

Bisher haben die Fribourger Dolomiten ein Mauerblümchen-Dasein in meinem Wanderleben gefristet. Die diesjährige Ausnahmesituation in den Weihnachtsferien hat dem glücklicherweise ein Ende beschert. Nach dem Dent de Combette am Dienstag besteige ich heute mit Begeisterung den höchsten Punkt der Gastlosenkette, den Dent de Savigny. Die Südroute erlaubt einen Gipfelbesuch ohne jegliche Schneeberührung. Alpine Hilfsmittel sind trotzdem nützlich.

Ich weiss bis jetzt nicht, ob die Autofahrt über das schmale Strässchen durch das enge Vallée des Fenils, das von Saanen gegen Norden Richtung Abländschen führt, eine Bewilligung braucht oder nicht. Die Eisplatten auf der Strasse im Wald zeugen auf jeden Fall nicht von Unterhalt. Bei Lauchnere sehe ich mein Tagesziel und parkiere neben der Strasse auf der (noch) gefrorenen Wiese.

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Vallée de Fenils, dahinter Sanetschgruppe, Oldenhorn und Diablerets
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Von hier geht’s los, das Tagesziel vor Augen (Achtung: Pfad nicht verpassen, gleich beim Waldrand in der Kurve links abzweigen)

Über einen schmalen Pfad steige ich zum Bach ab, der die Flanken von Dent de Savigny und Dent de Ruth entwässert. Die Kälte hat darin faszinierende Eiskristalle entstehen lassen. Würde ich doch nur mehr Physik verstehen, um das nachvollziehen zu können! Gleich nach dem Bach steige ich über eine schmale Kante zu einer Hütte hoch, von wo ein Pfad auf die Alp La Fleuta führt. Dort treffe ich auf den Alpweg, der mich im Zickzack nach Le Savigny steigen lässt. Bald laufe ich kurzärmlig, es ist herrlich warm und (noch) windstill. Eindrücklich bauen sich drei kantige Zacken vor mir auf, Les Pucelles genannt: Dolomiten pur.

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Eiszauber
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Les Pucelles

Der Weg flacht nun ab und ich erreiche die Alp Savigny. Die Hütte liegt an schönster Panoramalage auf einem Grat, der zu einem namenlosen Hügel (Pt. 1892) führt. Die Lage ist nicht nur schön, sondern schützt die Hütte auch vor den Lawinen, die im Frühling bestimmt von der äusserst steilen, grasigen Südflanke des Dent de Savigny herunterdonnern. Der Berg ist speziell, über dem Steilgras ragt ein breites Felsband, das den Berg wie eine Krone einrahmt. Oder eher wie ein Hahnenkamm?

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Dent de Savigny und Alp Savigny

Das Gras ist trocken und lang, der Geländewinkel im hohen zweistelligen Bereich. Schon bald merke ich, dass das zu ein Problem werden kann. So schnalle ich lieber vorzeitig meine Halbsteigeisen an. Zusammen mit den Stöcken steigt es sich nun wunderbar. Im Abstieg werde ich die Stöcke gegen den Pickel eintauschen. Ich gewinne rasch an Höhe und hole zwischendurch etwas Luft, um gleichzeitig das unverschämt prächtige Panorama zu geniessen, das nun von Minute zu Minute besser wird.

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Seitenblicke aus der Grasflanke: in der Bildmitte der Dent de Combette, rechts Les Pucelles, ganz hinten links der Mont Blanc

Kurz vor dem Felsband erreiche ich den schmalen Pfad, der vom Port de Savigny kommt, und damit die Normalroute. Ich folge der Spur und stehe schon bald vor einem grossen, weisslichen Felsen, der den Einstieg in ein blockig-grasiges Couloir markiert (grüner Pfeil auf einem Stein). Ich lasse die Stöcke liegen und mache mich an die Erklimmung des Couloirs, was viel Freude und wenig Schwierigkeiten bereitet (max. I). Bis zum Gipfel sind überall Wegspuren vorhanden, und so stehe ich eine Viertelstunde nach dem Einstieg ins Felsband auf dem Dach der Gastlosenkette.

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Am Fuss des Felsbandes, Blick zurück zur Alp Savigny und ins Vallée de Fenils
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Kurz vor dem Gipfel

Ein toller Aussichtspunkt! Aber leider bläst nun ein eiskalter Nordost-Wind, sodass die Pause auf später verschoben wird. Trotzdem nehme ich mir genug Zeit, über den „Rand“ in die senkrechte Nordwand hinunterzuschauen, und auch den etwas tiefer gelegenen Ostgipfel zu besteigen. Nur schon der Fotos wegen!

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Die Gastlosenkette setzt sich nach NO fort mit Dent de Ruth, Wandfluh und Sattelspitzen
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Ohne Worte – einfach umwerfend diese Sicht!
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Kunstvolles Gipfelkreuz, dahinter die Vanil Noir Gruppe, links der Dent de Combette

Mehr als befriedigt steige ich über die gleiche Route wieder ab nach Le Savigny. Ich bin echt froh um meine spitzigen Helfer an den Füssen und in der Hand. Dort angekommen verwerfe ich den ursprünglichen Plan, die rund 1500m durch das felsige Steilgras zum Fuss des Dent de Ruth zu queren, um von dort zur bewarteten Grubenberghütte zu gelangen. Stattdessen steige ich fröhlich pfeiffend und laut singend zum Auto ab. Dann fahre ich die paar Meter zum Mittelberg und nehme dort nochmals die 200Hm unter die Füsse, um auf der sonnigen Terrasse der SAC-Hütte zu meinem verdienten Kafi Lutz zu kommen.

Tourdatum: 30. Dezember 2016

Kartenausschnitt Dent de Savigny (pdf)

Interaktiver Kartenausschnitt (Schweizmobil)

1 Kommentar

  1. grossartige bilder, wie immer …
    danke an dieser stelle für den wunderschönen blog! Ich wünsche dir ein gutes neues jahr, mit vielen eindrücklichen bergerlebnissen! Herzlich, ursula

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