Über den Giferspitz zum Wasserngrat 2541m ü. M.

Das Saanenland investiert zum Glück wieder mehr in den Sommer und in seine Wanderwege. Was vor 10 Jahren noch abenteuerlich (T4) war, ist jetzt eine anspruchsvolle Bergtour (T3): Die rundförmige Überschreitung von Giferspitz, Lauenenhorn und Wasserngrat bietet ein grossartiges Panorama und ausreichend Spektakel. Es ist etwas Kondition gefragt, dafür winken am Schluss eine tolle Aussichtsterrasse und ein knieschonender Abstieg. Zumindest im August.

Werner will auf den Giferspitz, den Wunsch erfülle ich ihm gerne. Es wird mein dritter Besuch auf dem höchsten Punkt der Gemeinde Saanen werden. Die ergiebigste Variante beginnt und endet auf dem Parkplatz der Wasserngrat-Bahn, die im August von Mittwoch bis Sonntag betrieben wird. Wir folgen kurz der Asphaltstrasse ins Turbach-Tal und steigen über das Alpsträsslein hoch zum Berzgummbach. Hier beginnt der Wanderweg, der über einen zunächst steilen, sich dann aber allmählich nach hinten legenden Grasrücken zum Giferhüttli führt. Im Winter übrigens eine perfekte Skitourenroute.

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Morgenstund im Saanenland
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Kurz vor dem Giferhüttli, wo aus dem Rücken ein Grat wird

Wir trinken etwas, es ist heute schon um halb Acht heiss, dann nehmen wir den grasig-steinigen, markanten Gifergrat unter die Füsse. Aus dem blauen Himmel wird nun allerdings innert Minuten ein wolkenverhangener. Wir können geradewegs zuschauen, wie die sich rasch aufwärmenden, feuchtigkeitgeschwängerten Luftmassen über uns kondensieren. Ein eindrückliches Erlebnis, auch wenn die Fernsicht auf die Alpenkettte dadurch (vorläufig) ausfällt. Der Gratweg ist spannend genug, und die Abkühlung tut auch gut. Kurz vor dem Gipfel vereinigt sich der Nordgrat mit dem Ostgrat, und wenig später erreichen wir das kleine Gipfelplateau.

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Je weiter oben desto steiniger…
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Da wurde fein säuberlich geschichtet
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Der Gipfel kurz vor seiner Verhüllung

Ich beschreibe Werner, was man hier ohne Wolke so etwa alles sehen könnte… Dann brechen wir auf und machen uns an die Traversierung zum Lauenenhorn. Dort, wo der Abstieg vom Ostgrat in die Ostflanke früher über steile Schrofen bewältigt wurde (und die Schlüsselstelle der Tour darstellte), präsentiert sich heute ein kunstvoll aus den Felsen gehauener Pfad. Auch der weitere Verlauf des Pfads ist im Unterschied zu früher gut unterhalten, so dass wir uns anstatt auf das richtige Hinstellen der Füsse auf den Genuss der reichhaltigen Flora konzentrieren können. Dieser verziert das ganze Lauenenhorn, was für eine Pracht! Auch die Wolken konsolidieren sich jetzt weiter oben, so dass sich die Kulisse wieder aufzuhellen beginnt.

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Blick vom Giferspitz zum Lauenenhorn
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Und vice versa: Blick zurück aus den Blumenfeldern am Lauenenhorn zum Giferspitz. Der Wanderweg führt über den gutmütigen Ostgrat und durch die Ostflanke

Der Abstieg von Lauenenhorn ist ein (steiler) Galalauf durch ein Blumenfest. Ich meine, das Gras hier noch nie so hoch gesehen zu haben, die positive Seite des Prachtsommers. Und während in anderen Tälern Wasser auf die Alpen geflogen wird, ist der Quellbrunnen auf dem Turnelsattel zu unserem Erstaunen noch voll. Hier begegnen wir auch mehr Menschen, denn wir lenken auf die Höhenwanderroute vom Wassergrat über die Gryde zum Leiterli (Lenk) oder zum Lauenensee ein.

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Das liebliche Lauenental. Hinten Lauenensee, Geltenschuss und Geltengletscher. Das Wahrzeichen Wildhorn (links davon) ist noch verdeckt
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Der letzte Aufstieg zum Wasserngrat

Der Pfad steigt nun wieder leicht an, nochmals müssen knapp 150Hm bewältigt werden, um den höchsten Punkt des Wasserngrats zu erklimmen. Hier treffen wir auf das spektakulärste Teilstück unserer Wanderung. Der Grat ist schmall und felsig, der Pfad zeitweise etwas ausgesetzt, aber überall tipptopp kettengesichert. Auch das war nicht immer so. Die Nahsicht auf die bizarren Felsformationen und die Tiefblicke ins liebliche Saanenland, schmuckvoll durch die Gastlosenkette abgeschlossen, sind einfach umwerfend. Auch das Wetter bietet wieder Sonne pur. Die Wahl der besten Fotosujets fällt schwer, was für ein Tag!

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Gratsurfplausch
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Wer sieht das coole Bänkli am Abgrund?

Weiter unten wird der Grat wieder zum Rücken, genau zur Mittagszeit erreichen wir die Bergstation des Sessellifts. Die Terrasse des geliebten Bergrestaurants von Simon und Nik, wo wir im Winter immer um Plätze kämpfen, ist erst spärlich gefüllt. So dauert es heute nicht lange, bis wir in die feine Rösti beissen können. Mit vollen Bäuchen gwagglen wir schliesslich zum Sesseli, das uns knieschonend und bequem zum Auto schweben lässt.

Tourdatum: 4. August 2018

Kartenausschnitt Giferspitz (pdf)

Interaktiver Kartenauschnitt mit Höhenprofil und Zeitangaben

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Schönere Chalets gibt es nirgends….

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