Über den Valserberg 2503m ü. M.

Der Valserberg ist, wie der Name sagt, kein eigentlicher Pass. Er ist aber der höchste Punkt (2500m) eines schon in der Frühzeit genutzten Alpenübergangs von Ilanz über den Bernardinpass ins Tessin. Wir wandern über einen Pfad, den es schon gab, als die Walser Vals noch nicht besiedelt hatten. Viel Stoff zum Nachdenken auf der Tour von Hinterrhein nach Vals.

Das Postauto stoppt am Dorfeingang von Hinterrhein. Es ist Montag kurz nach Zwölf, wir sind die einzigen Fahrgäste. Ein kurzes „Merci“, dann fährt der Bus weiter zum Bernardin-Tunnel. Wir folgen zunächst einem betonnierten Alpsträsschen und laufen uns warm. Knapp 900Hm sind es von hier über den Saumweg über mässig steil ansteigendes Weidland zum Valserberg. Der Blick zurück ins Tal bietet eine schöne Sicht ins hintere Rheintal zum rasch schwindenen Zapportgletscher, zum Ursprung des Hinterrheins und zu den Serpentinen der Bernardinpassstrasse. Weiter talabwärts bewerben sich das schöne Einshorn und der stolze Piz Tambo um eine baldige Erklimmung.

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Hoch über Hinterrhein, links der Bernardin-Pass, rechts der Zapportgletscher und der Ursprung des Rheins
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Piz Tambo und Einshorn stehen auf der ToDo-Liste

Chris kämpft noch etwas mit den Folgen einer Magenverstimmung, so nehmen wir uns viel Zeit. Das Wetter ist wunderbar, auch spätnachmittags wird nicht mit Gewittern zu rechnen sein. Meine Gedanken tauchen in die Frühzeit ein: „Was muss die Menschen wohl getrieben haben, über diese Berge zu steigen? Wieviel Handelsware mussten sie mittragen, um davon leben und überleben zu können?“

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Der Valserberg kommt näher

Auf dem Valserberg angekommen, auf knapp über 2500m, finden wir überraschend Überbleibsel von militärischen Einrichtungen. Ein Zeitsprung ins 20. Jahrhundert. „Was haben die sich denn gedacht?“ frage ich mich. Die Zacken des Valserhorns darüber interessieren indes mehr, sie sind eindrücklich und fotogen. Wir setzen uns auf das bemooste Dach eines Beobachtungspostens und erkunden das neue Panorama: die Berge des Valsertals, des Lumnez und der Surselva. Das Peiltal, durch das der Abstieg nach Vals erfolgt, erscheint auf den ersten Blick nicht besonders ergiebig, aber lang.

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Die Zacken des Valserhorns
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Beobachtungsposten mit Blick ins Lumnez und zum Piz Segnas im Surselva
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Im Westen das markante Guraletschhorn (links), rechts der Hausberg von Vals, der Piz Aul. Die tiefen Täler dazwischen sieht man nicht

Der Weg nach Vals ist eine Fleissübung, die zwar durchaus schön, aber erst gegen das Ende wirklich spannend wird. Einerseits aufgrund des Blicks zurück, der den Valserberg nicht als eindeutigen Passübergang erscheinen lässt. Das Peilertal mit seinem vergletscherten Ende wirkt sehr geschlossen. Ein Erlebnis ist der Moment, als wir das Dorf erblicken, das mit seinen Steindächern gewaltig punktet. Der Weg dort hinunter ist noch weit, und diese letzten 400Hm gehen in die Knie. Dann erreichen wir das aufgrund seines Mineralwassers, seiner Zumthor-Thermalbäder und der „Turmbau von Babel-Fantasien“ berühmte Bergdorf, in dem ich noch nie war.

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Noch ist erst ein Drittel des langen Abstiegs durchs Peiltal zurückgelegt…
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Zwei Drittel: Der Blick zurück von „Uf der Matte“, in der Bildmitte das Valserhorn und gleich rechts davon der Übergang nach Hinterrhein
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Erst kurz vor Vals sehen wir das Dorf im tiefen Talboden…
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…mit seinen pittoresken Steindächern

Wir fühlen uns sofort wohl und im coolen Hotel Rovanada erst recht! Wir werden freundlichst im Empfang genommen, im Nu steht ein kühles Glas Bier vor uns. Die Wirtin leiht uns Badehosen, und schon bald chillen wir im Wellness-Bereich, lagern im Whirlpool die Füsse hoch und lassen es uns gutgehen.

Fazit: Eine einfache Tour, landschaftlich OK, historisch interessant, Vals ein schöner Ort. Aber nicht zu vergleichen mit dem, was morgen kommen wird!

Tourdatum: 27. August 2018

Kartenausschnitt Valserberg (pdf)

Interaktiver Kartenausschnitt mit Höhenprofil und Zeitangaben

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Was ist das für ein Pilz? (Bea wusste es: ein Riesenschirmling)

2 Kommentare

    • Danke Bea! Zum Glück habe ich ihn stehen lassen…:-) Auch wenn er zum Speisepilz des Jahres 2017 erkoren wurde….

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