Über das Schwarzstöckli zur Forelle 2385 m ü. M

Die Murgseerunde ist ein Klassiker. Insbesondere die Botaniker und Geologen kommen in dieser Bergsturzlandschaft auf ihre Kosten. Auch kulinarisch ist die Tour ein Highlight, die gebackenen Forellen der Murgseewirtin müssen ihre Konkurrenz weit suchen. Wir wollen uns diese Leckernei heute richtig verdienen und planen darum den vorherigen Besuch des Schwarzstöcklis ein.


Die Tour beginnt im Urwald auf ca. 1000m ü M. Durch hohes Farn und zwischen moosüberwachsenen Felsbrocken schlängelt sich ein schmaler Pfad zum ziemlich stotzigen, ersten Anstieg. Dieser führt entlang des herabfallenden Gsponbachs nach Gspon.

Die Tour beginnt im Urwald mit wilden Wassern
Die Tour beginnt im Urwald mit wilden Wassern

Nach 300 Höhenmetern ist die Eintrittsprüfung für das bemerkenswert abwechslungsreiche Mürtschental bestanden. Hier oben überrascht zuerst eine hochmoorartige Ebene, dahinter liegt eine bewaldete kurze Steilstufe mit kleinen Wasserfällen. Nun präsentiert sich eine blumenreiche Alp, dann ein langgezogenes Bachdelta. So folgt eine spezielle Geländekammer der anderen, alle fünfzehn Minuten ändert die Szenerie komplett. Weiter oben wird es blockiger, die knorrigen Bäume haben sich alle einen Felsen zum Festhalten ausgesucht.

Das Schwarzstöckli von Ober Mürtschen gesehen
Das Zwischenziel vor Augen: Das Schwarzstöckll

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Bei Ober Mürtschen öffnet sich das Tal sehr breit und wird zur Hochebene. Wir überqueren letztmals den Bach, aus der Taiga wird nun Tundra. Der Pfad wird rasch steiler und zerrt an unseren Kräften. Restschneefelder müssen überwunden werden, aber schon bald stehen wir auf dem Murgseefurggeli und schauen auf die prächtige Seenlandschaft hinunter. Wir gönnen uns eine kurze Verschnaufpause und entscheiden uns definitiv dafür, das Schwarzstöckli noch „mitzunehmen“, um einen Blick hinüber ins Glarnerland erhaschen zu können.

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In weniger als zwei Stunden vom Urwald zur Tundra. Blick zurück ins Mürtschental und zum Mürtschenstock

Das kostet 90 Minuten und 400 weitere Höhenmeter, die Wegführung ist jetzt anspruchsvoller und kurz etwas ausgesetzt. Wer das nicht mag, sticht lieber gleich zum nahen Murgsee runter und gönnt sich dort mehr Schlemmerzeit. Wir kraxeln hoch, es macht Spass. Dann stellt sich uns ein riesiges, steiles, aufgeweichtes Schneefeld in den Weg: Das wird viel Kraft kosten. Wir entschliessen uns, dieses Hindernis über den rechtsliegenden Grat zu umgehen. Wir suchen uns einen begehbaren Weg über die Felsen. Anstrengend, aber abwechslungsreich. Dann breitet sich der Horizont vor uns aus, und bald stehen wir auf dem Schwarzstöckli.

Schwarzstöckli1
Glarner Alpenparade mit Tödi, Clariden und Glärnisch

Dieses „Güpfi“ hat es ihn sich! Wir geniessen den weiten Rundblick über die noch ziemlich winterliche Gebirgswelt in vollen Zügen. Dann knurrt unser Magen gewaltig, und wir nehmen die Schneesurftour in Angriff. Vergnügt, aber mit ziemlich nassen Füssen, stehen wir wenig später wieder auf dem Furggeli. Die letzten Meter zum Murgsee machen viel Freude fürs Auge, auf den schön besonnten Wiesen spriessen Tausende Soldanellen und Bergkrokusse.

Aufr Nordseite Schnee, im Süden Frühlingsblumen
Oberer Murgsee: an den Nordhängen Schnee, am sonnigen Ufer Frühlingsblumen
Frühlingsfreuden
Frühlingsfreuden

Die Bergbeiz (www.murgsee.ch) bietet das versprochene kulinarische Erlebnis. Die Wirtin mit ihrer rauchigen Stimme ist ein sicherer Wert. Die Forellen bratet sie immer selber, ihre Jungs dürfen sich um die Beilagen kümmern. Tom kann kaum glauben, dass er auf 1800m ü. M. so verwöhnt wird. Das perfekt gewürzte Fischli wird bis zum letzten Grätchen seziert und verschwindet in unsere hungrigen Bäuche. Wir hören der gesprächigen Wirtin gerne zu, dann schwingt sie sich auf ihren Quad und donnert ins Tal.

Ein Hammer - die Forellen von Gloria
Ein Hammer – die Forellen von Gloria

Damit ist auch gleich erklärt, dass der nun folgende Abstieg gemütlich nebeneinander laufend unternommen werden kann. Der abwechslungsreiche Weg führt unter anderem am hübschen Unteren Murgsee vorbei, der wie ein Kleinod in der wilden Bergsturzlandschaft eingebettet liegt. Kurz vor dem Parkplatz gäbe es nochmals die Möglichkeit zur Einkehr auf einem Bauernhof. Aber der wissende Berggänger hält sich den Platz im Bauch noch frei. Er fährt hinunter nach Murg in die Sagibeiz (www.sagibeiz.ch). Dort servieren Esther und Dieter wunderbare Desserts – direkt am Walensee. Don’t miss it.

Unterer Murgsee
Unterer Murgsee

Kartenausschnitt Murgsee_Schwarzstöckli (pdf)

Tourdatum: 6. Juni 2014

2 Kommentare

  1. Hallo Edwin
    Habe deinen neuen Blog via Blog von Thomas Widmer entdeckt. Gefällt mir sehr gut, tolle Fotos, gute Beschreibung mit Skizze. In meinem Blog “ Zimseite“ ist auch ein Thema dem Wandern gewidmet – doch solche Alpintouren wie du mach ich weniger.
    Ich werde deinen Blog auf meine Liste der Blogs nehmen, denen ich folgen werde.
    Gruess Jürg

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