Herbstzauber am Federispitz 1865 m ü. M.

Der Herbst 2014 gehörte wohl zu den schönsten seiner Spezies der letzten Jahre. Das milde Wetter liess die Blätter nur ganz langsam verfärben und danach lange nicht von den Bäumen fallen. So wurde eine Halbtagestour auf den Federispitz zu einem farbenfrohen Erlebnis, das die Gipfelfreude fast in den Schatten stellte.


Kurz nach sieben Uhr laufen wir beim Kapuzberg los. Die ersten Sonnenstrahlen dieses Sonntagmorgens lassen den Herbstwald oberhalb von Weesen rötlich schimmern, nach unten öffnet sich ein friedvoller Blick auf den stillen Walensee. Der Pfad steigt schnell an, der holprige Nagelfluh unter den Füssen zwingt zu aufmerksamem Gehen. Es wird rasch wärmer, unsere Anoraks verschwinden im Rucksack.

Die Sonne geht auf über dem Walensee...
Die Sonne geht auf über dem Walensee…
...die Herbstbäume leuchten im Morgenrot
…die Herbstbäume leuchten im Morgenrot
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Der Weg steigt über Wiesen und durch lichten Wald zum Unter Nätschen.

Nach einer knappen Stunde erreichen wir den breiten Gratrücken bei der Alp Unter Nätschen, wo sich das Blickfeld um die Linthebene erweitert. Leider verhindert hier der Wind die erwünschte Trinkpause auf dem Sunnebänkli an der Stallwand. Wir steigen also noch etwas weiter zum Talkessel von Ober Nätschen, wo wir rasch ein windstilles Plätzchen der Sorte „T-shirt only“ finden. Wir studieren fasziniert die Nagelfluhformationen des unteren Federigrats. Mit dem Schattenwurf der tiefstehenden Novembersonne wirken sie bizarr.

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Nagelfluhplatten und -formationen wohin das Auge reicht. Im Hintergrund Mattstock und Säntis

Frisch gestärkt bewältigen wir den steilen Pfad zum Federigrat und freuen uns dort über die Sicht zum Zürichsee. Beim Blick hinunter in die schattigen Nordflanke erinnern wir uns schmunzelnd daran, dass wir dort im Mai jämmerlich im tiefen Neuschnee gescheitert sind.

Die Aussichtskanzel über der Linthebene
Federispitz: Die Aussichtskanzel über der Linthebene

Der weitere Verlauf über den Grat bis zum Federispitz bietet viel Fernsicht, aber setzt uns auch wieder dem Wind aus. Links die Linthebene, vor uns das Zürcher Oberland und dahinter der Bodensee, der Säntis und die Churfirsten im Osten und schliesslich der Alpenkranz vom Rätikon bis zum Berner Oberland im Süden.

Der Gipfel bietet eine nette Sitzbank, sodass die Znünipause feudal ausfällt. Rolf studiert inzwischen nochmals die Nordflanke, die hier fast senkrecht abfällt – sicher liegend auf der besonnten Grasseite.

Kritische Blicke in die Nordflanke, dahinter der Speer
Kritische Blicke in die Nordflanke, dahinter Speer und Säntis

Für den Abstieg wählen wir den Südgrat, der einen sicheren Tritt erfordert. Er führt zunächst zu einem hübschen Gipfelchen, dem Plättlispitz (1764). Weit unten blinkelt der Walensee. Der Gratweg ist zeitweilig etwas ausgesetzt, aber an der heikelsten Stelle mit Ketten gut gesichert. Es macht Spass, beidseitig die freie Sicht zu geniessen. Kurz vor Unter Nätschen treffen wir auf die Aufstiegsroute.

Die speziellen Gratformationen und der Blick auf den Glärnisch
Die speziellen Gratformationen und der Blick auf Kärpf, Hausstock und Glärnisch

Nun erfolgt der Rest des Abstiegs über die immer noch erstaunlich grünen Wiesen und durch den lichten Wald. Der erste andere Berggänger kreuzt hier unseren Weg. Unser Tempo verlangsamt sich – die sanfte Sonne und der blaue Himmel sorgen für derart schöne Landschaftsansichten, dass wir immer wieder stehenbleiben und fotografieren müssen.

Farbgenuss...
Herbstgenuss…

Solche Naturerlebnisse möchte man für ewig festhalten können. In allen Gelb- und Rotschattierungen leuchten die formschönen Laubbäume vor dem dunklen Blau des Himmels, atemberaubend schön. Wir meinen immer noch schönere Exemplare zu entdecken. Dazwischen schweift der Blick auf die Glarner Dreitausender, die scharfen Konturen der Churfirsten und den schöngeformten Walensee. Wir sind echt angetan von dieser kitschigschönen Herbstwelt.

Alles Schöne kommt zu einem Ende. Aber ich habe die Bilder noch scharf vor meinem inneren Auge, als ich pünktlich um 12 Uhr im Rössli in Zollikon zum Brunch erscheine.

Die Churfirsten im sanften Novemberlicht
Eines dieser Fotos, die man sonst nur im Kalender findet

Tourdatum: 2. November 2014

Kartenausschnitt Federispitz-Süd (pdf)

N.B. Vier Wochen später wiederhole ich die Tour im Alleingang, nunmehr ohne Blätter an den Bäumen – dafür mit viel Hochnebel. Auch wunderbar – die Südseitenbesteigung des Federispitz ist ein Garant für spezielle Spätsaisonerlebnisse. Die Story dazu blogge ich ein andermal, hier aber schon mal ein Foto dazu:

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1 Kommentar

  1. Habe die Tour heute gemacht und war wirklich wunderschön. Die Bäme verbreiten in ihrer Farbenpracht schon Herbststimmung und die Aussicht vom Federispitz ist einfach spitze. Wirklich eine Tour, die man nur empfehlen kann! Danke Edwin für die Idee!

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