Der scharfe Lägern-Grat

Nach einer Woche Sonne und bis 30 Grad Wärme in Israel habe ich definitiv keine Lust mehr auf Schnee. Da bietet sich derzeit nur der Jura an. So mache ich mich heute an die Abarbeitung einer langjährigen Pendenz – dem Lägerngrat zwischen Baden und Regensberg. Eine Halbtagestour, die positiv überrascht.

Das hübsche Städtchen Baden lädt gerne zum Verweilen ein. Fast bleibe ich nach dem Zmittag in der Gartenbeiz beim People Watching sitzen anstatt mich auf die Socken zu machen. Doch die scharfe Kante des Lägernausläufers lockt – sie beginnt quasi mitten in Ennetbaden. Die Wanderroute startet gleich knackig mit ein paar Hundert Treppentritten, bis ein Felsvorsprung unterhalb der Burg Schartenfels zu einer kurzen Verschnaufpause einlädt.

Baden

Hier droht eine Tafel dem urbanen Menschen, dass er ab hier Trittsicherheit und Schwindelfreiheit braucht. Das mag für Bergler etwas übertrieben sein, aber immerhin führt der felsige Pfad hier schön der Gratkante entlang nach oben. Abstürzen ist eher unmöglich, aber die Augen offenhalten muss man schon – ich nenne das T3-Genuss. Langsam sinkt auch der Lärmpegel des städtischen Verkehrsrauschens und macht Platz für das Pfeiffen der Singvögel in den Büschen und auf den Bäumen.

Naja…
Ein Hauch von alpinem Flair…

Der Pfad steigt noch ein Weile zügig an, dann legt sich das Gelände zurück und flacht schliesslich ab. Eine weitere Tafel am Wegrand erklärt, warum neuerdings grosse Lichtungen in den Wald geschlagen werden. Das sei gut für die Artenvielfalt wird erklärt. Gut so, denn dadurch wird auch immer wieder der Fernblick auf die weisse Alpenkette frei! Dazwischen schimmern Limmat und Zürichsee, ein schöner Anblick.

Ein kurze, etwas ausgesetzte Passage ist gut gesichert

Dann ist doch tatsächlich ein Drahtseil gespannt, um eine leicht exponierte Stelle zu passieren. Das wars dann aber schon mit Abenteuer, wenig später erreiche ich den ersten „Gipfel“ bei Punkt 805. Hier wird der Grat zum Rücken. Ein breiter Waldweg führt nun ziemlich flach zum rund 15 Minuten entfernten Burghorn, das wieder etwas über seine Umgebung herausragt. Zeit für eine kleine Pause und einen Schluck Wasser auf einem der stählernen Bänklein.

Auf dem Burghorn mit Blick nach Norden (Leibstadt grüsst)
Schöner See- und Alpenblick gegen Süden

Leicht sinkend geht es weiter zur Burgruine auf einem guten Pfad, wobei der Grat hier gegen Norden ziemlich senkrecht ins Wehntal abfällt. Das merkt der Wanderer aber kaum, da der Weg in sicherem Abstand zur Gratkante angelegt ist. Bald erreiche ich die Ruine der im 13. Jahrhundert geschliffenen Burg und damit ein Fahrsträsschen. Die drohende Langeweile wird zunächst durch Skyguide-Infotafeln am Wegrand aufgefangen. Die Luftraumhüter haben ziemlich viele Antennen auf den Berg gepflanzt, der nahe Flughafen grüsst. Wenig später passiere ich die sich im Wiederaufbau befindende Hochwachtbeiz, dereinst Bergstation eines längst stillgelegten Seilbähnchens. Zügig marschiere ich über den immer breiter werdenden Bergrücken nach Regensberg hinunter, dass wie eine Kanzel über dem weiten Glattal emporragt.

Regensberg

Dort locken zunächst ein feines Stück Kuchen und ein kühles Schorle im Gasthof Löwen. Danach wird das schön erhaltene Burgstädtchen begutachtet, bevor ich den kurzen Abstieg durch die Rebberge nach Dielsdorf unter die Füsse nehmen. Am Bahnhof angekommen beschliesse ich, dass dies nun das nördliche Ende meiner noch ziemlich unvollendeten Juratransversale ist.

Tourdatum: 7. Mai 2019

Interaktiver Kartenausschnitt mit Höhenprofil und Zeitangaben

2 Kommentare

  1. Lieber Edwin, endlich ist die edwinlose Zeit vorbei und freue mich auf weitere Beiträge. Die Lägern vor der Haustüre ist immer eine Wanderung wert. Am liebsten begehe ich diese Tour im Winter wenn Raureif alles verzaubert.
    Ein kleiner Fehler ist Dir unterlaufen. Es handelt sich nicht um Kaiseraugst sondern um das KK Leibstadt. Weiterhin gute Wanderungen wünscht Dir Bernhard Rossi aus Badeb.

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