Über den Pfannenstiel

In Corona-Zeiten rückt das Nahe wieder in den Fokus. Dabei entdecke ich Altbekanntes neu. Heute wandern wir von zuhause (Zollikon) durch das Küsnachter Tobel auf den Pfannenstiel. Von dort durch Wälder, über Weiden und entlang von Weinbergen bis fast ans Ende des Zürichsees nach Feldbach. Vor allem im Frühling ein rundum befriedigender und tagesfüllender Leckerbissen.

Die Gemeinden am rechten Zürichseeufer erfreuen sich alle über schmucke Wälder, wilde Bachtobel, Seelein und ausgedehnte Landwirtschaftszonen. Vor allem für ausländische Besucher oft ein erstaunlicher Kontrast gleich vor den Toren von Metropolitan Zürich.

Wir starten im historischen Ortskern von Zollikon, passieren einige wenige Häuserzeilen und stechen schon bald in den ersten Wald, der nach Küsnacht zum Rumensee führt. Der verführerische Weiher lockt heute mit intensivem Vogelgezwitscher und dem Duft von frischem Gras. Beim benachbarten Schübelweiher retten engagierte Kinder mit ihren Müttern gerade Kaulquappen, während ein sportlicher Mann seinem ins Küsnachter Tobel entwischenden Hund nacheilt. Auch wir steigen in diesen tiefen Graben runter, den das Wasser über die Jahrhunderte aus der Molasse geschaufelt hat.

Rumensee
Schübelweiher

Es ist wunderbar kühl, das Wasser plätschert friedlich die von Menschenhand geformten Stufen hinunter, die das Tobel gebändigt haben. Über elegant geschwungene Brücklein wechselt der Pfad immer mal wieder die Talseite, eine Augenweide. Mit der zunehmenden Höhe wird das Tälchen enger und der Pfad schmaler, ab Tobelmüli laufen wir hintereinander, hin und wieder platzmachend für die schnelleren Biker. Kurz vor Hohrüti rasten wir auf einem schönen Bänklein, mampfen Blevita mit Le Parfait und plaudern mit zufällig passierenden Freunden.

Küsnachter Tobel I
…. nochmals

Der Bach verkommt allmählich zum Rinnsal, unser Weg verlässt den Wasserlauf und erklimmt den grünen Hut des Pfannenstiels. Wir schauen den Waldarbeitern und Freiwilligen kurz zu, die Schäden eines heftigen Sturms (Burglinde?) beseitigen. Dann flacht der Weg ab, und wir schweben über die grösste Erhebung des rechten Seeufers, Berg kann man den Pfannenstiel ja nicht wirklich nennen. Dafür sehen wir auf einmal ganze Scharen echter Exemplare dieser Spezies, als wir bei der Hochwacht aus dem Wald treten. Unser Blick trifft trotz Dunst auf den mächtigen Alpstein, die kecken Churfirsten und die Nagelfluhbrocken Speer und Federispitz. Rechts davon reihen sich die (noch) weissen Riesen der Glarner und Zentralschweizer Alpen auf. Der Aussichtsturm ist gesperrt (er stand früher einmal auf dem Bachtel), den braucht es aber eigentlich auch gar nicht.

Auf der Hochwacht mit etwas dunstigem Blick zum Speer
Ohne Worte – Blick ins obere Glatttal

Unsere Route führt nun hinunter über den Vorderen Pfannenstiel nach Männedorf. Ein kurzes Stück des Wanderwegs folgt der Strasse, aber das ist auf der ganzen Strecke von rund 25 Km quasi vernachlässigbar. Oberhalb von Männedorf nimmt die Sicht auf den See erstmals eine dominierende Rolle ein, wir fotografieren ihn in allen Varianten. Die Route trifft hier übrigens auf die „offizielle Wanderroute“ von Zürich-Rehalp nach Feldbach, der wir fortan folgen.

Bei Männedorf rückt der Zürichsee in den Fokus

Nach dem Verzehr eines frischgebratenen Hamburgers von einem findigen Takeaway-Anbieter auf dem Parkplatz des geschlossenen Restaurants Widerbad folgt ein schönes Wegstück durch die Weinberge Stäfas. Der Pfad führt entlang eleganter Herrschaftshäuser und eine Weile über das Trassee und ein Brücklein der einstigen Wetzikon-Meilen-Bahn – wer weiss noch, dass es die einmal gab? Dann werden die Blumenwiesen wieder abgelöst von zahlreichen Pferdestallungen und gepflegten Trainingsanlagen.

Das alte Bahntrassee

Zwischen Stäfa und der Ebene von Hombrechtikon liegt ein Waldstück mit einem steilen Tobel, das kurz Einblick in das steinige Berginnere bietet. Nach dem steilen Ausstieg über den gut gestuften Pfad verlassen wir den Wald und erreichen eine wunderbare Aussichts- und Picknickterrasse. Da wurde das Dach einer Zivilschutzanlage kreativ genutzt. Ganz schön!

Hoch über Stäfa

Die Beine werden nun zwar langsam etwas müde, dafür ist der letzte Teil der Wegstrecke entlang der weiten, tiefgrünen Felder um Hombrechtikon flach. Für Abwechslung sorgen jetzt Kühe, Rinder und Kälblein, die Reize des Turpenweid-Weihers und freundliche Mitmenschen, die den Wanderern aus ihren Gärten zunicken.

Die Ebene bei Hombrechtikon
Zeit für einen Aperitif ?

Kurz vor dem Bahnhof Feldbach öffnet sich der Blick wieder zum See und den mittelalterlichen Türmen der Schwanenstadt Rapperswil. Ein letztes Highlight … und dazu diese herrlichen Frühlingsfarben im Licht des nahenden Abends!

Über Feldbach, mit Blick nach Rapperswil

Fast auf die Minute sieben Stunden nach unserem Start in Zollikon sinken wir müde und zufrieden in die weichen Polster der S-Bahn, die uns wieder an das andere See-Ende zurückrollt.

Datum: 25. April 2019

Interaktiver Kartenausschnitt mit Höhenprofil und Zeitangaben

2 Kommentare

  1. Lieber Wanderfreund Edwin,
    Danke für deinen Wanderbericht in unmittelbarer Stadt (Zürich)-Nähe. Als Wander- und v.a. auch Eisenbahnfreund fühle ich mich bemüssigt, eine entscheidende bahnhistorische Korrektur an deinem Bericht anzubringen. Es gab nie eine „Meilen – Usterbahn“! Es existierten in der Gegend eine „Wetzikon – Meilen-Bahn“ und eine „Uerikon – Bauma-Bahn“. Beiden Bahnen ist in Wikipedia ein Artikel gewidmet. Auf einer alten Eisenbahnkarte habe ich darüber hinaus sogar eine „Oetwil – Uster-Bahn“ entdeckt. Das vom Zürichsee-Panoramaweg auf einem Abschnitt benutzte alte Eisenbahntrassee stammt von der ehemaligen Meilen – Wetzikon-Bahn. Von der ebenfalls ehemaligen Uerikon – Bauma-Bahn ist heute noch das Teilstück Hinwil – Bauma im „Hobby-Betrieb“, nämlich als Dampfbahn, betrieben durch den Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland DVZO.
    MfG Walter

  2. Hallo Edwin
    Auch wenn du in Zukunft nicht mehr so „extravagante“ touren auf deinem Blog zeigst, deine Bilder zusammen mit dem Text sind einfach immer grossartig. Und in Sachen Länge sind auch deine T1-T3-Touren immer noch recht Hardcore – du läufst ja wirklich nichts unter 7 Std..
    Liebe Grüsse Zimi

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