Nebelkapriolen und Eiskunst am Gasterespitz 2729 m ü. M.

Eigentlich waren wir uns nicht sicher, ob ein Nordflankenaufstieg auf über 2500m ü M. wirklich eine gute Idee war, nur wenige Tage nach einer September-Kaltfront. Tatsächlich sollte uns der frische Schnee und der Eiswind der letzten Tage nicht behindern, jedoch viel Überraschendes bieten.


Das Gasteretal gehört zu den Geheimtipps des Berner Oberlands. Vom Bahnhof Kandersteg startend windet sich ein kleiner Wanderbus durch die engen Tunnel der Gastereschlucht („Chluse“) nach oben, lässt uns beim Waldhus aussteigen und schlängelt sich noch ein paar Kilometer weiter durch das karge Tal. Wir stehen zunächst vor einer Wand, die unüberwindbar scheint, doch die Wandertafel zeigt „Balmhornhütte 2 Std.“, und das erst noch nur in Rot-Weiss. Tatsächlich ist der Hüttenweg ein kleines Meisterwerk mit vielen Treppen und geschickt angelegten Bändertraversen, nur Höhenangst ist hier fehl am Platz.

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Das Balmhorn mit seiner vergletscherten Nordseite von der Hütte ausgesehen

Bei der Hütte erwarten uns zwei netten Talbewohnerinnen, die „Hüttenschicht“ haben. Sie halten uns spontan einen Tee hin und preisen ihre Backwerke an. Bei dieser netten Marketingaktion wirkt wohl auch etwas Resignation mit, denn viele andere Gäste sind heute wohl nicht mehr zu erwarten. Wir vertrösten die Damen auf später und machen uns nun an den Gipfelaufstieg. Und der hat es in sich: unter stetiger Begleitung des Balmhorngletschers und des prächtigen Balmhorns vor uns ersteigen wir den Grat. Dieser wandelt sich nun rasch von einem Grasfeld in eine Mondlandschaft mit schöngeformten Steinblöcken. Und weil sich auf der Walliserseite die Wolken stauen, die uns einerseits den Tiefblick ins 1000m tiefergelegene Tal verwehren und gleichzeitig für eine gespenstische Stimmung sorgen, wähnen wir uns in einem surrealen Film. Ab 2600m ü. M laufen wir über eine dünne Schicht gefrorenen Schnees, der durch den starken Wind der letzten Tage skurille Formen angenommen hat. Der Gipfelaufbau des Gasterespitz sieht aus wie ein Stoppelbart, das Gipfelkreuz wie eine Hommage an einen arktischen Gott. Gebannt schauen wir vom Gipfel aus dem Spiel der Wolken zu unseren Füssen zu, bis sich wie von Zauberhand der Nebel auflöst. Der Blick wird frei auf die Walliser und Berner Viertausender und auf das gegenüberliegende Hockenhorn. Was für ein Naturschauspiel!

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Berner Grössen lassen grüssen (unter dem Gipfelkreuz Mönch, Jungfrau etc.)
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Die Walliser: Mischabel Gruppe und Alphubel
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Der Nebel spielt mit den gefrorenen Felszacken
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Fire & Ice

Auf dem Rückweg stehen wir immer noch lange unter dem Eindruck des Erlebten, erst die Kuchen der Hüttendamen bringen uns wieder zurück in die reale Welt.

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Die Balmhornhütte empfiehlt sich für Kaffee und Kuchen…

Kartenausschnitt Gasterespitz (pdf)

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