Ein Abenteuer am Druesberg 2282m ü. M.

Mächtig sieht sie aus von der Zürcher Quaibrücke, die Nordwand des Druesberg. Aus der Nähe erweist sich die Erklimmung des eindrücklichen Kalkzahns über die Südkante als Kraxelabenteuer erster Klasse. Auch die folgende Gratüberschreitung über den Forstberg bis zur Sesselbahn im Hoch Ybrig-Gebiet bietet alles, was der Alpinwanderer begehrt. Eine abwechslungsreiche,  anspruchsvolle Tour vor der Haustüre Zürichs.


Die Tour beginnt bei der noch schattig-frostigen Talstation Weglosen. Gleich zu Beginn geht es richtig zur Sache, wir bekommen schnell warm. Zünftig steil windet sich der schmale, blauweiss markierte „Leiteren-Pfad“ durch den Wald zum Fuss einer Felswand, die vom Talboden gesehen nicht durchsteigbar scheint. Mit Hilfe einer langen Leiter und kettengesicherten, schwindelerregenden Passagen ist das Hindernis jedoch rasch überwunden. Kurz darauf wird aus der Wildnis wieder Wiese, ein paar sehr jugendliche Vierbeiner schauen uns erwartungsvoll zu. Eine knappe Stunde nach dem Abmarsch machen wir es uns auf der Terrasse der Druesberghütte gemütlich.

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Der versteckte Durchstieg durch die Mauer
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Junge Kühe können durchaus niedlich sein…

Bei Schorle, Milchkaffee und Aprikosenkuchen fragen wir den Hüttenwart nach seiner Einschätzung zur Südkante des Druesbergs. Er wiegelt zuerst ab und warnt vor Abgründen, Steilheit und Routenfindung. Dann kommt er aber an unseren Tisch und erklärt die Route im Detail. „Würdest Du heute gehen?“ frage ich ihn. „Ja!“, meint er – und so ist unser Entschluss gefasst.

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Im Aufstieg zur Twäriberglücke – der Blick nach Oberiberg, den Mythen und auf den ersten Hochnebel dieser Saison über dem Mittelland

Wir folgen zunächst den nun wieder blauweissen Markierungen der Normalroute zum Druesberg, bis ein unscheinbarer Pfad abzweigt, der zum Twäriberg führt. Über steinige Matten steigen wir zur Twäriberglücke hoch. Hier hören die Markierungen auf, aber deutliche Pfadspuren weisen den weiteren Aufstieg zum Sattel zwischen den Chläbdächern und dem Druesberg. Die Vorfreude auf das Kommende wird mehr als bestätigt: Der Blick vom Sattel ist gewaltig. Gegen Süden breitet sich das frisch verschneite Alpenpanorama vom Säntis bis ins Berner Oberland aus. Gleichzeitig starren wir gebannt auf das „Ding“ vor uns: Wie ein gewaltiger Schiffsbug präsentiert sich der messerscharfe Ostgrat des Druesbergs. Unglaublich schön! Tipp: Bis hierhin schaffen es auch T4-Wanderer.

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Alleine dieser Anblick ist schon die Mühe wert. Wir queren hier horizontal zur Südkante im Hintergrund

Was jetzt kommt ist nichts für Menschen mit Höhenangst. Wir folgen weglos horizontal dem untersten Felsband. Immer wieder lösen sich Steine unter unseren Füssen, denen wir mit etwas schlechtem Gewissen auf ihren weiten Weg ins Muotathal nachschauen. Schliesslich erreichen wir die Südkante, von wo wir den benachbarten Forstberg sehen. Jetzt geht’s hoch! Über die ersten drei felsigen Bänder lässt es sich gut hochkraxeln, das nächste, senkrechte Band kann links durch Schrofengelände umgangen werden. Dann entdecke ich das letzte, leicht überhängende Band, von dem eine vertrauenserweckende Kette herabhängt. „Wenn ihr die Kette sieht, ist die Schlüsselstelle überwunden“ erinnere ich mich an die Worte des Hüttenwarts. Mit ein paar kräftigen Armzügen lässt sich diese Mauer überwinden (ohne Kette III). Jetzt folgt Grasgelände, zunächst 40 Grad, später sicher 60 Grad steil. Das Gelände ist aber gut gestuft, sodass wir wie über eine Himmelsleiter zum Gipfelgrat hochsteigen können. Ein grossartiges Erlebnis – aber bitte nie bei nassem Boden ausprobieren!

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Der Blick von der Südkante hinüber zum ähnlich gestuften Forstberg
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Kurz vor dem Gipfelgrat: Oli auf der Himmelsleiter, 1000m weiter unten das Muotathal

Auf dem Gipfel treffen wir nette Leute. Ein fröhliches Muotathaler Bauernpaar erzählt, wie es von hier oben überall im Tal Arbeit sieht, die auf sie wartet. Er studiere immer daran herum, wie er noch effizienter werde könne, damit sie an Tagen wie heute die Berge besteigen könnten. Eine bestechende Logik, die ich nicht vergessen werde! Dann nehme ich einen Schluck von Olis Kräutertee und gebe mich ganz dem Genuss hin. Stimmung, Wetter und Aussicht sind kaum zu toppen.

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Gipfelblicke über das Muotathal zu Tödi und Konsorten…
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… und Richtung Osten zum Klöntalersee, Glärnisch, Silberen und Bös Fulen
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Im Westen der markante Chaiserstock und die Unterwaldner und Berner Alpenkette. In der Mitte der Forstberg

Nach einer lange Pause nehmen wir die nächste Etappe unter die Füsse. Wir steigen über die Normalroute ab, sie verfügt über eine kurze, wenig heikle und kettengesicherte Passage. Wir nehmen den Abstiegsschwung gleich in den einfachen Gegenaufstieg zum Forstberg mit. Dieser gewährt wenig später einen herrlichen Rückblick auf den Druesberg, insbesondere auch auf die erklommene Südkante, die ganz schön steil aussieht von hier…

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Ist er nicht schön, der Druesberg? Rechts die Südkante, dahinter der frischverschneite Glärnisch

Die Überschreitung des Forstbergs erweist sich als weiterer Höhepunkt des Tages. Die Muotathaler Seite fällt steil ab und überrascht immer wieder mit bizarren Felsformationen. Die Passage des Chüebandes im Abstieg entpuppt sich als eine der anspruchvollsten Stellen des Tages. Mit beiden Händen an den Ketten steigen wir vorsichtig über die speckigen, teils nassen Felsen ab. Ausrutschen will man hier wirklich nicht (Tipp: Stöcke in den Rucksack).

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Der Blick zurück zum Forstberg, Mitte links (teilweise im Schatten) das heikle, kettengesicherte Chüeband.

Der letzte Teil über den Gross Sternen bis zur Bergstation der Sesselbahn ist dann wieder Gratwandern erster Klasse.  Es wird sogar noch richtig mystisch, als vom Muotathal Wolkenfetzen aufsteigen.

Zutiefst befriedigt von der grossartigen Tour und dem wunderbaren Frühherbsttag steigen wir aufs Sesseli und lassen uns gemütlich hinuntergondeln. Vor der Heimfahrt belohnen wir uns mit Eiskaffee und Vermicelles.

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Im Muotathal überkocht offenbar etwas… rechts davon die Bahnstation

Tourdatum: 21. September 2015

Kartenausschnitt Druesberg – Forstberg (pdf)

Interaktiver Kartenausschnitt

1 Kommentar

  1. Gute Beschreibung der aufregenden Tour bei herrlichem Wetter….. zeigt einmal mehr dass auch viele spannende Touren bei uns gibt! Ganz nach dem Motto „Warum in die Ferne Schweifen, denn das Gute liegt so nah“!

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