Wir überschreiten das Weissmies

Das Weissmies (ja, es ist wirklich ein „das“) ist einer der einfachen Viertausender der Schweizer Alpen. Jene, die einfach diese Höhe einmal erreichen wollen, sei eine geführte Gletschertour von der Hohsaas (Bahnstation auf über 3000m ü. M.) auf den Gipfel und zurück empfohlen. Wer jedoch diesen interessanten Berg richtig kennenlernen und erkraxeln will, steigt von Saas Almagell über das Almagellertal hoch und überschreitet ihn.


Die Tour beginnt mit einem Erlebnispfad oberhalb von Almagell Furggstalden und führt über die Almagelleralp (gutes Beizli mit feinen selbstgebackenen Kuchen und freundlicher Bedienung, don’t miss it!) über eine Steilstufe mit viel Edelweiss zur SAC Hütte auf rund 2800m ü. M.

Das Weissmies von der Hohsaas gesehen

Das Weissmies von der Hohsaas gesehen

Sie bietet den Gästen Food & Beverage, vernünftige Sanitäranlagen und eine Matraze. Das Hüttenteam offeriert eine frühe (4.00) und eine späte (7.00) Frühstücksvariante. Im Unterschied zu anderen Touren kann hier durchaus die spätere Variante gewählt werden, was wir denn auch tun.

Die Blick von der Hütte zur Mischabelgruppe im Morgenrot

Der Blick von der Hütte zum Allalinhorn, Alphubel und Mischabelgruppe im Morgenrot

Der Aufstieg über den Zwischenbergpass und den Südgrat zum Gipfel ist in 3 bis 4 Stunden zu schaffen, der Abstieg über den Gletscher bis zur Bahn in weniger als 1.5 Stunden. Auf dem Zwischenbergpass hat man die Wahl zwischen Blockgrat und weiteren 500 Höhenmeter Firnfeld. Wir entscheiden uns für den Grat, der sich wunderbar ersteigen lässt. Bis zum Zusammentreffen mit der Firnroute müssen die Hände nur selten zu Hilfe genommen werden. Dafür sind die Weitblicke links und rechts spektakulär. Besonderen Reiz hat an diesem Tag das Nebelmeer über Norditalien, das immer wieder versucht, über die Berge ins Wallis zu gelangen. Der kräftige Westwind lässt dieses Vorhaben aber nicht gelingen. Oberhalb von 3700 m ü.M. kommen dann die Hände zum Zug. Was jetzt folgt ist Genusskraxeln par excellence. Ohne wirklich ausgesetzt zu sein suchen wir beide unseren Weg über die Blöcke nach oben.

Impressionen vom Südgrat

Die Ägypter haben Sphinxe, wir versteinerte Gratlöwen

Blick vom Südgrat des Weissmies in Richtung Monte Rosa

Impressionen vom Südgrat

Gefühlsmässig viel zu schnell kommt schon der Vorgipfel, wo die Steigeisen montiert werden müssen. Mit etwas Wehmut blicke ich zurück auf den Grat, wende mich dann aber dem letzten Teilstück zu, der Traversierung des Gipfelgrats. Die Route ist gut gespurt, sodass wir weiterhin seilfrei die letzten 10 Minuten zum Gipfel bewältigen. Das aber nicht ohne Fotostopps, denn die Szenerie ist hier wirklich gewaltig. Ich komme mir vor wie auf dem Flügel eines Flugzeugs.

Der Blick zurück vom Vorgipfel auf den Südgrat und dem Nebelmeer über Norditalien

IMG_1200.JPG (2)

Der Gipfelgrad – mein Lieblingsfoto 2014

Der Gipfel selbst bietet die überwältigenden Rundblicke, die ich gefühlsmässig kaum beschreiben kann. Der Firngipfel lädt jedoch nicht zum geliebten Sonnenbad. Der starke Wind, dem wir auf dem Südgrat nicht ausgesetzt waren, erlaubt keinen langen Aufenthalt. Schnell sind zwei Schichten mehr angezogen, Gletscherausrüstung, Mütze und Handschuhe montiert. Wären wir nur etwas länger auf den windstillen Felsen des Vorgipfels verblieben!

Gipfelblick nach Westen, der Nebel drückt, gewinnt aber nicht

Gipfelblick nach Westen, der Nebel drückt, gewinnt aber nicht

Der Abstieg über den Gletscher bringt aber gleich neues Spektakel. Das Spiel des Windes mit dem Hochnebel, die bedrohliche Schönheit der gewaltigen Séracs, die wunderbare Szenerie des Gletschers. Alle paar Minuten muss ich stillhalten, um die Bilder und das Erlebte innerlich festzuhalten. Knapp 1000 Höhenmeter weiter unten stehen wir wieder auf festem Grund. Nur wenige Minuten später ist die Zivilisation mit der Bergstation da und damit das Ende der Ruhe und des Mystischen. Aber die 1400 Höhenmeter Abstieg per Bahn sind auch ganz okay, zumindest für die Knie.

Fazit – Weissmies, ich komme wieder, bestimmt!

IMG_1224.JPG (2)

Die gewaltige Eiswelt auf der Nordseite des Weissmies

Kartenausschnitt Weissmies-Route (pdf)

Tourdatum 17./18. August 2014

5 Kommentare

  1. Was für eine anregende Schilderung! Super! (nur ein paar Typfehlerlein)

  2. […] solchen Momenten – meine Tränen nicht zurückhalten. Der Blick zum Dom, zur Lenzspitze, zum Weissmies, die Tiefe, und und und… […]

  3. […] Mattertal, allen voran das Matterhorn, dann die Monte Rosa-Gruppe, später im Rückspiegel auch das Weissmies und die Mischabel-Gruppe mit dem Nadelgrat. Gerne erinnern wir uns an die gemeinsamen Touren auf […]

  4. […] sodass wir uns noch am selben Tag – auf der anderen Talseite – an die erste Etappe der Besteigung des Weissmies machen […]

  5. […] Fernblick in die Gstaader und Freiburger Dolomiten, rechts die endlose Reihe Walliser 4000er von Weissmies bis Grand Combin und das Mont Blanc […]

Schreibe einen Kommentar zu Über das Plateau d’Hérens zur Tête Blanche | Edwin wandert Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Über diese Seite

Alpinwandern – Bergtouren – Hochtouren

Erwandert und beschrieben von Edwin.
Web von Raskin.

Updates abonnieren

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

© 2026