Ein Gipfelbuch für den Pazolastock

Heute begleiten wir einen Freund, der im Rahmen des Jubiläums der Graubündner Kantonalbank ein elektronisches Gipfelbuch auf dem Pazolastock verankert. Eine besonderes Wandererlebnis an einem heissen Tag – mit viel Klarsicht im Quellgebiet des Rheins am Oberalppass.

Der kleine weiss-rote Leuchtturm auf dem Oberalppass ist Ausgangspunkt unserer Tour. Eine symbolische kleine Kopie des Wahrzeichens von Hoek van Holland bei Rotterdam, wo das hier quellende Rheinwassser nach seiner lange Reise in die Nordsee fliesst.

Wir sind nicht alleine auf dem Weg zum Pazolastock (2739), dessen aussichtsreicher Gipfel nur gerade 700 Höhenmeter über den Pass ragt. Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass es hier viel Preis für wenig Fleiss gibt. Der Pfad ist trotzdem sofort steil und bringt uns schnell ins Schwitzen. Pudelweibchen Emmi nutzt denn auch gleich die erste Pfütze für ein Abkühlungsbad. Für den Rest des Tages ist sie braun.

Der Pazolastock mit seinem Felsenkopf
Pudelbad – auf der anderen Seite der Oberalp-Passstrasse der Hühnerstock

Die kleine Pausen unseres Grüppchens nutze ich unter anderem, um die verfallenen Stellungen zu betrachten, die hier im Rahmen des Gotthardreduits erbaut wurden. Heute kann man sich deren Sinn kaum mehr vorstellen.

Wir gewinnen indes rasch an Höhe und damit an Aussicht. Vor uns blicken wir über das Urserental hinweg auf die eindrückliche Gletscherlandschaft rund um den Dammastock. Weiter nördlich grüsst der Titlis.

Viel Sicht: Andermatt, Windräder, Dammagletscher, Fleckistock und ganz rechts der Titlis

Wir erreichen den Gipfelgrat, wo der Pfad etwas ausgesetzt wird. Steil fallen die Flanken nach Andermatt ab, es wird alpiner. Der Gipfel erweist sich dann wieder als gutmütig, ein breiter Grasrücken empfängt die doch recht zahlreichen Besucher an diesem gewöhnlichen Freitag.

Es wird alpin auf der Westseite des Gipfelgrats

Die vielen Wanderer machen mich kurz etwas stutzig. Ob sich hier womöglich eine Interventionstruppe eines der Gegner des e-Gipfelbuch Projektes der GKB versammelt? Vor der Tour hat Christoph nämlich Schlagbohrer, Verankerungen, Schablone und ein Gipfelschild auf die Rucksäcke verteilt. Dieses Schild wollen wir hier jetzt als eines von 149 weiteren elektronischen Gipfelbüchern verankern.

Aber nein, es gibt keine Demos oder sonstigen Widerstand, nur neugierige Zuschauer. Etwas Mühe bereitet die Suche nach einem geeigneten Platz für das Schild. Doch nach dem dritten Anlauf und einigem Rätseln und Werken steht das Ding – wir freuen uns und weihen es mit dem ersten Eintrag ein!

Christoph erfüllt seinen Auftrag

Unsere Wanderung führt nun weiter in südlicher Richtung. Zuerst über den Grasrücken etwas hinunter, dann über einen namenlosen Blockgrat wieder hinauf. Das gefällige Slalomlaufen um die Blöcke erfordert etwas Trittsicherheit, aber es macht Spass. Das hätte durchaus etwas länger dauern dürfen! Bald führt der Pfad wieder über blumenreiches Grasland hinunter, und wir entdecken die Badushütte und den Tomasee unter uns. Wir tauchen in das Tälchen ein, das nach dem Willen der Touristiker den Ursprung des Rheins beherbergt.

So geht es weiter… im Hintergrund links der Six Madun, rechts der Gemsstock
… und vom Felsengrat der Blick zurück zum gutmütigen Pazolastock
Wer sieht die Badushütte und den Tomasee?

Wir kehren bei der Hütte ein, deren Team uns bald Käse, Salsiz und Suppe serviert. Auch ein Bier lässt sich jetzt schon gut vertragen. Wir sitzen gemütlich und lassen die Sonne auf uns niederbrennen, die bei der Mehrheit unseres Grüppchens rote Spuren auf der Haut hinterlässt.

Auf der gemütlichen Terrasse der einfachen Badushütte

Mit vollen Bäuchen steigen wir gemächlich zum Tomasee ab, der uns als unverschämt schönes Postkartensujet empfängt. Das klare Wasser, die messerscharfe Sicht, das Spiel zwischen Grau und Grün. Ein wahres Kleinod, das sich auch marketingmässig gut als Rheinursprung eignet. Kein Wunder sitzen auffallend viele Holländer an seinem Ufer.

Der Abstieg vom See ins Tal und zurück zum Pass nimmt etwas Zeit in Anspruch. Der Pfad ist zunächst ruppig und steil und verlangt die notwendige Aufmerksamkeit. Wer den Maighelgletscher am Fusse des Piz Ravetsch oder die schöne Einsicht ins lange Vorderrheintal betrachten will, hält besser kurz an… stimmt mir ein Wanderer zu, dem ich nach einem kleinen, glimpflich verlaufenen Sturz auf die Beine helfe.

Schöner Talblick ins Tujetsch nach Sedrun

Der Pfad dreht schliesslich entlang der 2000er Höhenkurve wieder zum Pass zurück, wobei ganz am Schluss noch ein paar Meter gestiegen werden müssen. Das erhöht den Durst, wovon die Beiz auf dem Pass profitiert, in der wir auf die gelungene Gipfelbuch-Expedition anstossen.

Tourdatum: 21. August 2020

Interaktiver Kartenausschnitt mit Höhenprofil und Zeitangaben

2 Kommentare

  1. Ich war dabei. Treffender als dies Edwin getan hat, könnte man diese schöne Tour nicht beschreiben. Chapeau!

  2. Hoi Edwin, da wäre ich auch gerne dabei gewesen,
    an einem gewöhnlichen Freitag 😉

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