Gabi’s Bank am Krönten

Das Erstfelder Tal ist lieblich und wild zugleich. Die Rundwanderung zur Kröntenhütte mit dem Abstecher zum Oberseemänndli bilden zusammen eine höchst abwechslungsreiche Genusstour. Zuoberst wartet eine schöne Holzbank mit einem Prachtsblick auf den Krönten und den Spannort(gletscher). Aber das ist nur eine der zahlreichen Highlights des Tages.

In Erstfeld verhindert eine steile Talstufe, dass Unwissende die wilde Schönheit des Erstfelder Tals entdecken. Ich kaufe am Bahnhofkiosk die erforderliche Fahrbewilligung (20 Franken) und kurve danach die ersten Kehren des schmalen Strässchens hoch, die mich auf die erste Talebene bringt. Dort prägt zunächst die Alpwirtschaft des schmalen Tals. Überall weiden stattliche Milchkühe, heranwachsende Rinder und neugierige Kälbchen auf den saftigen Blumenwiesen, ein friedliches Bild. Aus Asphalt wird bald Kies, bis Bodenberg darf gefahren werden, dort ist der Parkplatz der Kröntenhütte.

Rückblick auf die untere Talebene, die befahren werden kann
Der Geisspfad führt durch Büsche hoch
Es steigt sich leicht und schnell…

Ich laufe los und entscheide mich für die Direttissima zur Hütte. Dieser führt gleichmässig steigend über den Geisspfad entlang der südlichen Talflanke hoch. Ein schön angelegter, alpiner Pfad mit vielen praktischen Steinstufen. Es steigt sich leicht und zügig, zunächst durch Wald, dann durch Gras und Büsche, immer mit einem schönen Blick zurück zum Talboden. Der viele Regen des Vortags lässt die Felswände glänzen, überall rieselt Wasser den Berg hinunter. Das gleichmässige Steigen ermüdet nicht. So erreiche ich nach knapp 90 Minuten das Seitentälchen, worin am Fuss des Krönten idyllisch die Kröntenhütte eingebettet ist.

Der Krönten und die gleichnamige Hütte links der Bildmitte
Ein gemütlicher Ort … darüber mein Ziel, das grün-felsige Oberseemänndli

Die Hütte ist ein Kleinod – auch wenn heute doppelt so gross und viel moderner als vor Jahrzehnten, als ich das letzte Mal hier war. Das Hüttenteam lässt gerade den Aussenpool einlaufen (ja, das liest du richtig) und schneidet mir dann ein Stück Apfelwähe ab. Ich setzte mich auf eine Bank und studiere die Umgebung, um mir ein kleines Zusatzziel auszusuchen. Zuviel liegt noch nicht drin, noch bin ich rekonvaleszent, aber die Lust auf „mehr“ ist schon wieder gross. Schnell werde ich fündig: das Oberseemänndli, ein exponiertes, perfekt gelegenes Aussichtgipfelchen auf der Kröntenroute (siehe Bildmitte oben). Die zusätzlichen 350Hm liegen noch gut drin!

Gesagt, getan – ich folge den blauen Wegweisern in Richtung Grawstock, hüpfe über die Steine im wässerigen Moos am Obersee und nehme dann die Steigung zu besagtem Gipfelchen unter die Füsse. Auf der Karte ist die Route nicht markiert, aber die grosse Felsinschrift „Männdli“ hilft richtig abzuzweigen, danach helfen blasse, rotweisse Markierungen weiter. Die Vorfreude auf den erwarten Blick auf Glattfirn und Spannort ist gross. Und dieser ist ziemlich überwältigend, als ich auf der Krete ankomme, über die ich die letzten Meter zum Gipfel des Männdlis erklimme.

Gipfelblick auf Spannort und Glattfirn – und die vielen Wasser!

Noch mehr überrascht bin ich, als ich das schöne Bänklein auf diesem einsamen Gipfel erblicke. „Gabi’s Ghirmibänkli“ steht eingraviert. Was das bedeutet, weiss ich bis nicht, aber das spielt keine Rolle (Nachtrag: Priska wusste es: „ausruhen“. Siehe Kommentar unten). Die Aussicht auf Krönten und Konsorten ist eindrücklich und bequem ist es auch! Ich bleibe lange sitzen – es ist einer dieser Prachtstage ohne Wolken, von denen es im Juli nicht viele gibt!

Gabi’s Bänkli

Der nun folgenden Abstieg ist nicht einfach eine Wiederholung des Aufstiegs ohne Schwitzen. Ganz im Gegenteil! Es ist eine der am meisten überraschenden Entdeckungen seit langem. Zunächst ist da der Fullbach unterhalb der Kröntenhütte, und dann der Fulensee mit seinen vielen moorigen Nebenseelein. Eine absolute Augenweide mit viel Flora! Dann folgt ein kurzer Abstieg über eine steile Rampe hinunter zu den steinig-blumigen Böden „auf den Gründen“ mit dem herrlichen Talend-Blick auf Spannort und Schlossberggletscher. Gegen unten verengt sich das Tal kurz und öffnet sich wieder zum Schattig Boden, wo eine grosse Geissenkolonie herummeckert und eine Besenbeiz zum Bier einlädt. Daneben stürzen die Wasser des Fullbachs die Wände hinunter. Eindrücklich! Danach wird das Tal wieder enger, die wilden Wasser wälzen sich um grosse Brocken, weiter unten führt ein abenteuerliches Brücklein über den tosenden Bach, anschliessend ist der Pfad mehrere hundert Meter mit Seilen gesichert. Nicht vergebens!

Grün, grüner, Fulensee
„Auf den Gründen“ – mit herrlichem Blick aufs spektakuläre Talende
Der stürzende Fulbach…
… mündet in den tosenden Erstfelder Bach

Bei Sulzwald wechselt der Pfad erneut die Bachseite und führt durch einen zauberhaften, vermoosten Bergsturzwald die letzten Meter hinunter zur Alp Mettlenberg, wo ich schliesslich wieder auf die Wegkreuzung von heute morgen treffe.

Eine tolle Tour! Ich würde sie beim nächsten Mal vermutlich umgekehrt machen, um dieses abwechslungsreiche, wilde Erstfelder Tal im Aufstieg noch intensiver erleben zu können.

Tourdatum: 2. Juli 2022

Interaktiver Kartenabschnitt mit Höhenprofil und Zeitangaben

öV: Alpentaxi Bhf. Erstfeld – Erstfelder Tal: Tel. 079 413 91 15 oder 077 437 71 61

3 Kommentare

  1. Phantastische Tour & wunderbar beschrieben und mit Fotos ausgeschmückt. Toll! Danke vielmals!
    „Ghirmä“ bedeutet so viel wie „ausruhen“.
    Liebe Sommergrüsse & auf weitere schöne Wanderungen! Immer ein Genuss, die Berichte zu lesen… Priska Gander, Beckenried

  2. Lieber Edwin,
    Ich war vor einem Jahr mit ein paar Kollegen in der Kröntenhütte auf Skitour und wir konnten ein faszinierendes und wildes Tal entdecken. Die Skitour auf den Krönten war das Highlight. Der Hüttenwart Markus, der schon mehr als 40 Jahre die Hütte wartet, hat und im Laufe der Woche alle Hüttengeheimnisse erzählt. Im Winter mussten wir spätestens um 13h zurück in der Hütte sein, da am Nachmittag regelmäßig die Lawinen der steilen Südhänge runtergehen, ein Naturschauspiel und absolut wild.

Schreibe einen Kommentar