Die wilde Schlucht zum Creux du Van

Der Grand Canyon der Schweiz ist ein Leckerbissen, besonders zu Fuss. Eine höchst abwechslungsreiche Wanderung beginnt in Boudry und führt genussvoll durch die wilden Gorges de l’Areuse zum Fuss des Creux du Van. 1100 Höhenmeter später stehen wir, nach einem schweisstreibenden Schlussaufstieg, auf der Kante der spektakulären Felsarena. Nur das Steinwild fehlt heute zum totalen Genuss. Dieser folgt am Tourende in Süssform, in der Chocolaterie Jacot in Noiraigue.

Heute bin ich mit Bettina unterwegs. Wir haben viel zu besprechen und finden im Büro nicht die Musse dazu. Also wandern und diskutieren wir. Sechs Stunden inklusive kurzer Pausen. Beim Abschied in Neuchâtel sind wir mehr als zufrieden – aber alles der Reihe nach.

Die Route ist gut markiert – „Creux du Van“ steht auf dem Wanderschild am Bahnhof Boudry. Ein paar Meter Asphalt hinunter zum Fluss, dann biegen wir schon auf den Wanderweg ein. Jetzt einfach dem Wasser nach oben folgen…

Boudry – der Blick zur Schlucht

Wenig später markiert ein kleiner Tunnel, dass es eng wird. Wir können zwar meist gut nebeneinander laufen, aber stellenweise gibt die Schlucht das nicht her. Es riecht herrlich nach frischen Blättern, und hin und wieder spritzt etwas Gischt auf meine Nase. Erste Fotostopps – das ist wunderschön hier! Später folgen pittoreske Brücklein, dann ziehen ausgewaschene Felsenbäder unsere Aufmerksamkeit auf sich. Am besten überzeugt ihr Euch selbst:

Impressionen… 4x

Nach einer guten Stunde öffnet sich das Gelände, und wir passieren Champ du Moulin (mit Bahnhof etwas weiter oben am Hang). Das Weidland ist jedoch nur eine Anekdote in diesem unwegsamen Gelände, bald verengt sich das Tal wieder. Es folgt erneut eine eindrückliche Schlucht-Passage entlang dem tosenden Wasser. Beim engsten Teil verlässt unsere Route den Fluss, und wir folgen nun den Schildern durch den Wald zur „Ferme Robert“. Das Ausflugsrestaurant liegt am Fuss des Creux du Van auf einer flachen Lichtung und ist per Auto erreichbar. An diesem bewölkten Freitag ist glücklicherweise kaum einer da. Immerhin ist die Beiz offen und es gibt einen Kaffee.

Das Forellen-Hotel ist heute zu. Im Hintergrund sehen wir erstmals den Creux du Van
Weitere Schluchterlebnisse

Vor uns baut sich die eindrückliche Wand auf, im Halbkreis legt sie sich wie ein schützender Arm um den Talkessel. Mehrere Wege stehen zur Auswahl, um über die südliche Seitenflanke auf die bis zu 150m hohe Mauer zu gelangen. Sie führen alle durch den Wald und sind etwa gleich lang.

Die Steigung ist knackig, der Pfad aber immer breiter als angenommen. Schwierigkeiten gibt es keine, aber es wird ziemlich warm, die Schweisstropfen kullern nur so über meine Nasenspitze hinunter. Genau jetzt ruft ein Klient zum Conf Call… zum Glück gibt es die Mute-Taste :-). Wenig später erreicht der Bettina-Edwin-Express die Gratkante. Voller Freude setzen wir uns nach getaner Arbeit ein paar Hundert Meter weiter auf den Rand des grausligen Abgrunds. Ein paar Selfies sind jetzt angezeigt.

Creux du Van

Inzwischen tropfen die ersten Vorboten der nächsten Schlechtwetterfront auf unser Gesicht. Wir lassen uns die Freude nicht verderben und ziehen mit montierten Anoraks weiter zum anderen Ende des Creux du Van. Was für ein Spektakel! Und das alles frei zugänglich, ohne Abschrankungen, Sicherheitsnetze und Eintrittsgebühr! Man stelle sich vor, man wäre hier in den USA… unvorstellbar. Nur für die weidenden Tiere haben die Bauern ein Mäuerchen aufgestapelt.

Leider ist heute nicht wirklich Fotowetter, darum poste ich unterhalb dieses Beitrags ein paar Links zu den Werken einiger Fotografen, die sich hier bei verschiedenen Tageszeiten und Wetterlagen richtig austoben konnten.


Die Wand ohne Schutzwand…

Nach einem letzten Blick in die Tiefe steigen wir schliesslich über die nördliche Seitenflanke in das Val de Travers ab und mäandern den Wald hinunter nach Noiraigue. Ich bedaure, kein Steinwild (es soll hier viel geben) gesehen zu haben, was den Genuss noch erhöht hätte.

Aber dann führt mich Bettina in Noiraigue zur Chocolaterie Jacot, die mit wunderbaren Spezialitäten punktet. Das hätte ich hier nicht erwartet! Ich kaufe mit Freude ein und ärgere mich nicht darüber, dass der stündliche Bummelzug gerade durchgerauscht ist und die Dorfbeiz renoviert wird… Doch der Bahnhofkiosk serviert auch ein Bier – und natürlich wandert auch ein Fläschchen Grüne Fee (Absinthe) als Souvenir aus dem Val de Travers in den Rucksack.

Probieren lohnt sich!

Tourdatum: 17. Mai 2019

Link zu schönen Fotos vom Creux du Van

Noch ein Link zu schönen Fotos vom Creux du Van

Interaktiver Kartenausschnitt mit Höhenprofil und Zeitangaben

ÖV: Zug bis Boudry und von Noiraigue

1 Kommentar

  1. Danke für den aufschlussreichen Bericht zur unvergleichlichen Creux du Van. Zu jeder Jahreszeit ist eine Wanderung ein Erlebnis. Wer den Weg je nach Jahreszeit abkürzen will, startet in Noiraigue oder fährt mit dem Auto bis zur La Ferme Robert und beginnt dort den problemlosen Aufstieg. Natürlich darf bei schönem und warmen Wetter ein Fondue im Ferme du Soliat genossen werden (draussen auf den Holzbänken).

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